Staatsanwaltschaft Amberg ermittelt nach dem Tod des einjährigen Mädchens am Busbahnhof
Fingerspitzengefühl gefordert

"Es ist schwer, Abschied zu nehmen", steht auf einer Trauerkarte. Zahlreiche Blumen und Kuscheltiere wurden am Busbahnhof für das dort verstorbene zwölf Monate alte Mädchen niedergelegt. Bild: Steinbacher

Amberg.(roa) Nach dem Tod des einjährigen Mädchens ermittelt die Amberger Staatsanwaltschaft jetzt gegen die Mutter und den Busfahrer wegen fahrlässiger Tötung. Geklärt werden soll die Frage, ob sie sorglos oder leichtsinnig gehandelt haben.

Die Leiche des Mädchens wurde nach dem Unfall obduziert, ist aber mittlerweile wieder freigegeben. Diese Vorgehensweise sei bei Toten im Straßenverkehr "leider grundsätzlich erforderlich". "Oftmals herrscht bezüglich Ermittlungen dieser Art großes Unverständnis in der Bevölkerung, aber das ist die rechtliche Vorgehensweise", informierte der Sprecher der Amberger Staatsanwaltschaft. Er betonte, dass in diesen "psychischen Ausnahmesituationen" das Fingerspitzengefühl aller Beteiligten gefordert sei. Dr. Thomas Strohmeier hat das Video gesehen. In "erschreckender Genauigkeit" könne man durch die Bewegtbilder aus der Überwachungskamera am Busbahnhof den Ablauf des Unfalls rekonstruieren, sagte der Oberstaatsanwalt.

Die Tragischen Sekunden des Unglücks

Fest steht, dass die Mutter am Donnerstag, 2. Juli, um 19.45 Uhr mit dem zwölf Monate alten Mädchen in der einen und einem Kinderwagen in der anderen Hand aus dem Bus stieg. Draußen stellte sie das Kind neben sich ab. Es stürzte. In diesem Moment fuhr der Bus los und überrollte es. So weit lassen sich die tragischen Sekunden des Unglücks auf den Schwarz-Weiß-Bildern nachvollziehen.

Fahrlässige Tötung durch Unterlassen oder durch aktives Handeln

Jetzt muss die Justiz die Schuldfrage klären. Im Rechtsjargon: Ob die Mutter wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen, und ob der Busfahrer wegen fahrlässiger Tötung durch aktives Handeln belangt werden muss. Allgemein erläutert Strohmeier die Fragen, denen die Staatsanwaltschaft bei Anklagen dieser Art nachgeht. Bei fahrlässigen Tötungen durch Unterlassen werde geprüft, ob Eltern objektiv gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen haben. Beim Busfahrer werde das Gutachten vom Büro für Unfallanalytik Aufschluss bringen. Es berücksichtigt sowohl interne Richtlinien des Busunternehmens, als auch beispielsweise die Lichtverhältnisse. Geklärt wird unter anderem, wie sich die Situation vorne, vom Fahrersitz aus, dargestellt hat: "Was konnte er sehen? Was konnte er nicht sehen?"

Mutter und Busfahrer stehen unter Schock

Mutter und Busfahrer konnten bislang noch nicht vernommen werden. Sie stehen nach wie vor unter Schock. Nach Auskunft von Polizeipressesprecher Albert Brück haben sich nach dem Aufruf "mehrere Zeugen" gemeldet, unter anderem auch der von der Polizei gesuchte dunkelhäutige Mann im gelben Shirt. Sie alle hätten wesentlich zur Klärung des Unfallhergangs beitragen können. Weitere Zeugen können sich dennoch bei der Polizei unter der Telefonnummer (09621) 8900 melden.

Blumen am Busbahnhof

Einige Trauernde legten für das verstorbene Mädchen am Busbahnhof Blumen und Kuscheltiere nieder. Der Personaldisponent des Busunternehmens, Alfred Meier, äußerte gegenüber Oberpfalz-TV: "Die Stimmung ist sehr gedrückt, es sind alle davon betroffen. ... Das Kind war uns teilweise bekannt als Fahrgast. Es ist erschreckend bedrückend, das Ganze." Der Vater des Mädchens ist selbst Busfahrer bei dem Unternehmen.
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