Starke Stimme für Kinderrechte

Die Friedensnobelpreisträger Malala Yousafzai (vorne links) und Kailash Satyarthi (vorne rechts) bei der Preisverleihung in der Stadthalle Oslo. Bild: dpa

Es ist die emotionalste Nobelpreis-Verleihung seit langem: Als die 17-jährige Malala den Friedenspreis bekommt, feiern die Kinder in Oslo sie wie einen Popstar. Und die Erwachsenen hören ihr gebannt zu.

Malala Yousafzai, die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten, hat in Oslo zwei Auftritte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Um kurz nach 13 Uhr hält sie im Rathaus der norwegischen Hauptstadt eine ebenso energische wie leidenschaftliche Rede. "Warum ist es so einfach, Waffen, aber so schwierig, Bücher zu verteilen?", fragt sie. Die Zuhörer, die der Teenager damit berührt, sind fast nur Erwachsene, die in schwarzen Anzügen oder Kostümen still vor ihr sitzen. Vorher haben sie dem Grieg-Stück "Ich liebe dich" mit Klavierbegleitung gelauscht.

"Mehr Energie als Red Bull"

Nur einige Dutzend Meter Luftlinie von dem feierlich geschmückten Saal entfernt, wenige Stunden zuvor am Mittwoch: lautes Kindergekreische, Popmusik, Plakate mit Malalas Namen und kleinen roten Herzen darauf. Auf dem Platz zwischen Rathaus und Wasser drängen sich Tausende, um Malala auf einer Bühne zu sehen. Sogar Schulklassen sind aus Oslo und Umgebung angereist, um die 17-Jährige zu sehen. "Bist du nervös, vor so vielen Menschen zu sprechen?", fragen die Kinder die Nobelpreisträgerin. "Ich wäre gern den ganzen Tag mit euch zusammen", antwortet die. "Ihr gebt mir soviel Energie, mehr als Red Bull."

Lange hatte die norwegische Nobel-Jury angeblich gezweifelt, ob sie der jungen Frau aus Pakistan den Friedensnobelpreis verleihen könnte. Es schien nicht nur eine riskante Angelegenheit, weil die Kinderrechtlerin ihr ganzes Leben noch vor sich hat - und das Komitee etwa mit dem Preis für US-Präsident Barack Obama schlechte Erfahrungen mit frühen Ehrungen gemacht hat.

"Sehr, sehr, sehr, sehr cool"

Viele Beobachter waren sich zudem nicht sicher, ob der Teenager dem Druck und den Erwartungen standhalten könne, die der gewaltige Preis mit sich bringt. Doch nicht nur die starken Auftritte der 17-Jährigen in Oslo, sondern vor allem das weltweite Echo auf die Ehrung zeigen: Der Preis für das Mädchen war eine der klügsten Entscheidungen, die das viel kritisierte norwegische Nobelkomitee getroffen hat. Auch, weil sich die Jüngsten mit der Friedensnobelpreisträgerin identifizieren können.

Sie sei "sehr, sehr, sehr, sehr cool", sagen Zoe und Johanna (10) aus Oslo, die Malala am frühen Mittag vor der Bühne zujubeln. "Und sie denkt nicht an sich selbst." Für die 13-jährige Amanda ist sie ein Vorbild: "Sie weiß, was richtig und was falsch ist."

Einige der wenigen Kinder im Rathaussaal sind fünf Freundinnen von Malala. Darunter sind zwei Mädchen, die 2012 bei der Attacke der Taliban dabei waren, bei der Kugeln Malalas Kopf trafen. Dass sie danach weiter gegen die Taliban und für das Recht von Mädchen und Frauen auf Bildung kämpfte, machte Malala weltbekannt.

Ihre Hälfte der rund acht Millionen schwedischen Kronen (rund 860 000 Euro) Preisgeld widmet die junge Frau dem von ihr gegründeten "Malala Fund", der 2014 umgerechnet mehr als eine Million Euro für Bildungsprogramme für Mädchen eingesetzt hat.

Die andere Hälfte bekommt der zweite Preisträger, der Inder Kailash Satyarthi. Der 60-Jährige, der sich seit Jahrzehnten vor allem gegen Kinderarbeit engagiert, ist in seiner Heimat nicht unumstritten. Mit der gemeinsamen Vergabe an Yousafzai und ihn wollte die norwegische Jury vor allem ein Zeichen für den Frieden zwischen Pakistanern und Indern, Hindus und Muslimen setzen. Während die Premierminister beider Länder sich nicht zu einer Reise nach Oslo bewegen lassen, nennen sich die beiden Preisträger am Mittwoch "Vater" und "Tochter".
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