Statistik: Überproportional viele rassistische Gewalttaten
Gefährlicher Osten

Fast jede zweite rassistische Gewalttat im vergangenen Jahr ist laut amtlicher Statistik in Ostdeutschland verübt worden. 61 der bundesweit 130 Delikte wurden in den neuen Bundesländern oder Berlin begangen, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic. Dabei stellen die sechs Länder weniger als 20 Prozent der Gesamt-Bevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Fälle im Osten um rund 40 Prozent zu.

Die Zahl der rassistischen Gewalttaten beziffert explizit nur Delikte mit fremdenfeindlicher Motivation. Die Gesamtzahl rechtsmotivierter Gewalttaten lag im Jahr 2014 bundesweit mit 1029 Fällen deutlich höher. Dazu zählen neben Körperverletzungen und versuchten Tötungen auch Sprengstoffdelikte, Brandstiftungen, Raub und Erpressung durch rechte Täter. Hier entfallen rund 36 Prozent der Delikte auf Ostdeutschland.

Die Zahlen zu politisch motivierter Kriminalität waren bereits im Mai vorgelegt worden. Den größten Anteil machten mit 900 Fällen Körperverletzungen aus. 764 Menschen wurden dabei verletzt. Auf das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen entfielen 370 der rechtsmotivierte Gewalttaten. Danach folgten Berlin (111 Fälle), Sachsen (86 Fälle) und Brandenburg (73 Fälle). Mihalic äußerte grundsätzliche Zweifel: "Es gibt Grund zu der Annahme, dass die bisher vorgelegten Fallzahlen nur einen Bruchteil der rechts motivierten Kriminalität in Deutschland widerspiegeln", erklärte sie. Die vom ersten NSU-Untersuchungsausschuss festgestellten Fehler in der Analyse seien bis heute nicht behoben.
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