Steigende Flüchtlingszahlen auf der Welt
Elend ohne Ende

Die Lage weltweit verbessert sich nicht - im Gegenteil. Jeder 113. Mensch ist auf der Flucht. Bild: dpa

Statistisch sucht jeder 113. Mensch auf der Erde Asyl, ist Flüchtling oder binnenvertrieben. Das entspricht der gesamten Bevölkerung Frankreichs oder Großbritanniens. Auch 2015 sind es wieder mehr geworden.

Genf/Berlin. Mit 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht ist zugleich ein neuer Höchststand erreicht, wie aus den vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zum Weltflüchtlingstag am Montag herausgegebenen Zahlen hervorgeht. Vor einem Jahr waren es noch 59,5 Millionen. Kirchenvertreter, Hilfsorganisationen und Politiker zeigten sich alarmiert. Papst Franziskus rief dazu auf, sich von den persönlichen Schicksalen der Menschen ansprechen zu lassen, denn "ihre Geschichten und ihre Gesichter sind ein Appell, unseren Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit zu erneuern". Caritas Europa forderte von der EU mehr Solidarität in der Flüchtlingskrise. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick mahnte mehr Engagement für die Integration der Flüchtlinge in Deutschland an. Es gelte, "die zu uns Gekommenen bei ihrem Weg in unsere Gesellschaft zu unterstützen".

Schicksale aufklären


Das Deutsche Institut für Menschenrechte kritisierte das EU-Türkei-Abkommen. Schutzsuchende Menschen in Griechenland würden "direkt nach ihrer Ankunft in sogenannten Hot-Spots inhaftiert". Dies widerspreche "dem strengen Verhältnismäßigkeitsprinzip beim Menschenrecht auf Freiheit". Reporter ohne Grenzen machte auf die Lage von Journalisten in Syrien aufmerksam. Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte, die Schicksale von mehr als 8500 vermissten unbegleiteten Flüchtlingskindern in Deutschland aufzuklären.

Lösungen dauern länger


Die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit unter UNHCR-Mandat kommen aus nur drei Ländern: 4,9 Millionen aus Syrien, 2,7 Millionen aus Afghanistan sowie 1,1 Millionen aus Somalia. Kolumbien hat mit 6,9 Millionen die höchste Zahl von Binnenvertriebenen, direkt gefolgt von Syrien mit 6,6 Millionen und dem Irak mit 4,4 Millionen. Grund für den steilen Anstieg der Flüchtlingszahlen sind langanhaltende sowie neue oder wiederaufflammende Konflikte. Der größte davon ist der Krieg in Syrien. Zudem lassen seit dem Ende des Kalten Krieges dauerhafte Lösungen immer länger auf sich warten.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat bei einem Festakt zum zweiten bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) betonte die Gemeinsamkeiten der deutschen Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flüchtlinge, die derzeit Zuflucht in Deutschland suchten. Die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland reißen indes nicht ab. Im ersten Halbjahr habe es bereits 563 Straftaten gegeben, darunter 51 Brandstiftungen, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. (Kommentar)
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