Strauß direkt neben Strauss: Söder taktiert mit seinem Idol

Im Schnitt kommt alle fünf Jahre eine neue Büste in die Walhalla. Und vier Plätze sind noch frei. Einer davon soll nach dem Willen Markus Söders seinem Vorbild Franz Josef Strauß gehören. Einer der umstrittensten Politiker Deutschlands, von Affären belastet, zwischen Dichtern, Denkern - oder Musikern wie Anton Bruckner, Max Reger und Richard Strauss?

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges hat es nur ein Politiker in die Ruhmeshalle geschafft: Konrad Adenauer. Der erste Kanzler der Bundesrepublik. Auch er bekam erst mehr als 30 Jahre nach seinem Tod einen Platz. Söder argumentiert, Strauß sei der bedeutendste Bayer der Nachkriegsgeschichte und ein großer Deutscher gewesen. Das aber waren andere auch. Strauß' Parteikollege Alfons Goppel zum Beispiel: Er war der am längsten amtierende Ministerpräsident Bayerns: 18 Jahre. Acht Jahre länger als Strauß. Oder der einzige bayerische SPD-Ministerpräsident Wilhelm Hoegner. Er gilt als Vater der bayerischen Verfassung.

Sicher dürfte sich Söder gewesen sein, mit seinem Vorstoß FJS-Anhänger zu erreichen. Von denen hat der geniale Taktierer und Rhetoriker Strauß auch posthum noch sehr viele. Sie will Söder auf seine Seite ziehen - um seine Ziele zu erreichen. Taktieren mit dem Idol.

alexander.raedle@derneuetag.de
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