Streiks in Frankreich
Grande Nation im Ausnahmezustand

In Paris und auch in anderen Städten - hier am Fronleichnamstag in Lyon - gehen die Franzosen auf die Straße. Und nicht immer friedlich. (Foto: Thomas Schaller)

Der Gewerkschaftskampf gegen eine Arbeitsmarktreform in Frankreich erreicht die Atomkraftwerke. In einigen Meilern wird wegen Streiks die Produktion gedrosselt. Die Stromversorgung soll aber gesichert sein.

Paris. Die wütenden Proteste gegen eine in Frankreich geplante Arbeitsmarktreform machen auch vor den Atomkraftwerken des Landes nicht Halt. An allen 19 AKW-Standorten wurde am Donnerstag gestreikt, wie Marie-Claire Cailletaud von der Gewerkschaft CGT angab. Zwölf Meiler hätten in der Nacht ihre Stromproduktion zurückgefahren, sagte Cailletaud im Sender RMC. Der Energieversorger EDF sprach von einer Streikbeteiligung von knapp unter zehn Prozent in der Nacht und am Morgen. "Die Produktion für unsere Kunden ist gesichert", versicherte eine EDF-Sprecherin. EDF betreibt sämtliche Atomkraftwerke in Frankreich, die bisher 75 Prozent des Strombedarfs im Land liefern.

Schaden für die Wirtschaft


Gewerkschafter setzten ihre Proteste auch mit Straßenblockaden an Treibstoffdepots fort. In vielen Städten und weiten Teilen des Landes gab es Demonstrationen und Aktionen. Nach tagelangen Streiks und Blockaden, die Versorgungsengpässe an vielen Tankstellen ausgelöst haben, wollten die Gegner des Gesetzes mit einem Aktionstag den Druck auf die Regierung weiter erhöhen.

In Paris und anderen Städten gab es Kundgebungen. Dabei kam es wie etwa in der Hauptstadt vereinzelt zu Zusammenstößen zwischen militanten Demonstranten und der Polizei. Mehrere Menschen wurde festgenommen. Auch im Bahnverkehr und am Flughafen Paris-Orly kam es zu Störungen. Premierminister Manuel Valls kritisierte die Blockaden von Treibstoffdepots als unverantwortlich. "Diese Situation kann unserer Wirtschaft schaden", sagte er im Sender BFMTV. Die Regierung werde weiterhin Blockaden räumen lassen. Laut Valls sitzen 20 bis 30 Prozent der Tankstellen auf dem Trockenen oder haben Schwierigkeiten.

Gefahr für die EM?


In dem ohnehin angespannten Klima schürt die Zuspitzung zwei Wochen vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft Sorgen vor einer Lähmung des Landes. So musste Innenminister Bernard Cazeneuve sich bei der Vorstellung seines Sicherheitskonzeptes für die EM schon fragen lassen, ob neben Hooligans und Terrorismus nicht auch die soziale Lage im Land eine Bedrohung sei. Der Politiker wies das entschieden zurück. In einer Hinsicht hat Martinez jedenfalls bereits Erfolg gehabt: Die zwischenzeitlich etwas verloren wirkenden Proteste gegen die Neufassung des Arbeitsrechts sind wieder in aller Munde. Eine Gewerkschaft hat für den 10. Juni zum Streik bei der Pariser Metro aufgerufen - just an diesem Tag will Gastgeber Frankreich die EM im Stade de France eröffnen. (Kommentar)
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