Streit in den Ländern pörogrammiert
Bestnotem für Bayerns Schulen

Spannende Wochen für die Bildungspolitik: An diesem Freitag wird ein bundesweiter Schülervergleichstest präsentiert, Anfang Dezember die mit noch mehr Nervosität erwartete neue Pisa-Studie. Angesichts teils enttäuschender Ergebnisse ist Streit in den Ländern programmiert.

Von Werner Herpell, dpa

Berlin. In Baden-Württemberg begann das Hauen und Stechen um die Schulpolitik schon, bevor der Absturz in der Kompetenz-Tabelle überhaupt offiziell war. Dort gerieten sich Regierung und Opposition am Mittwoch über absehbar miese Noten beim "IQB-Bildungstrend" für Deutsch und die Fremdsprachen heftig in die Haare - also noch bevor heute die Ergebnisse von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin präsentiert werden. Die Schul(d)frage dürfte nicht das letzte Schwarzer-Peter-Spiel in den Ländern sein. Die Debatte liefert auch einen Vorgeschmack auf die große Pisa-Präsentation im Dezember.

Was sagt das Ergebnis über die Schulpolitik der Länder aus?

Genau das wird in den nächsten Tagen Stoff für Debatten sein - wenn auch nicht immer so hitzig wie im Absteigerland Baden-Württemberg. Das CSU-regierte, in der Bildungspolitik stark leistungsorientierte Bayern dürfte hervorheben, dass es sich in Deutsch wieder durchweg unter den besten Drei platziert hat und auch in Englisch weit vorn liegt. Das CDU-geführte Sachsen und das rot-grüne Schleswig-Holstein können aber ebenfalls für ihre Bildungspolitik trommeln. Das Land im Norden schafft insgesamt den deutlichsten Sprung nach vorn. In Englisch haben die Ost-Bundesländer immer noch Rückstände aufzuholen. Bisher wurde das Dauer-Manko damit erklärt, dass es wegen der untergeordneten Rolle des Englisch-Unterrichts in der DDR dort weniger ausgebildete Lehrer gebe. Aber das ist nun schon über 25 Jahre her.

Was machen die üblichen "Sorgenkinder"?

In beiden Bereichen - Deutsch und Englisch - liegen weiterhin die Stadtstaaten Bremen und Berlin mit vielen jungen Migranten an ihren Schulen in der IQB-Tabelle hinten. Und ein großes Flächenland wie Nordrhein-Westfalen enttäuscht in puncto Deutsch-Kompetenz auch weiterhinh. Für die Düsseldorfer CDU/FDP-Opposition willkommene Munition gegen Rot-Grün. SPD-regierte Länder wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, auch das von der Linken geführte Thüringen liefern derweil eine recht solide Performance.

Warum ist der IQB-Report politisch so brisant?

Weil Schulbildung in allen 16 Bundesländern ein Aufregerthema für die ganze Familie ist. Ein schwaches Abschneiden in solchen Kompetenzvergleichen brandmarkt jede Opposition genüsslich als Indiz für das Versagen von Bildungsbehörden oder gar der Landesregierung.

Erst die IQB-Studie - dann Pisa. Was kommt da noch auf uns zu?

In rund sechs Wochen, am 6. Dezember, ist es soweit: Dann präsentiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Ergebnisse ihres sechsten Pisa-Vergleichs seit dem Jahr 2000. Für 10 000 Schüler in Deutschland und eine halbe Million weltweit endete der Test für Naturwissenschaften, Mathematik und Lese-Kompetenz bereits im Mai 2015. Die Auswertung war sehr aufwendig, denn die OECD will sich bei ihren Erkenntnissen nichts nachsagen lassen. Der "Pisa-Schock" von vor 15 Jahren wirkt hierzulande immer noch nach. In der ersten Studie schnitten deutsche 15-Jährige miserabel ab. In den Pisa-Tests 2003, 2006, 2009 und 2012 ging es bergauf. Nun hoffen alle, dass dieser Trend anhält.
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