Streit um Interview der Deutschen Welle
Türkei zieht Material ein

Die Deutsche Welle und der türkische Sportminister liefern sich einen heftigen Schlagabtausch um ein Interview, das nicht ausgestrahlt werden durfte. Auch die Bundesregierung schaltet sich ein.

Berlin. Im Streit um die Beschlagnahme eines Interviews mit dem türkischen Sportminister hat sich die Bundesregierung hinter die Deutsche Welle (DW) gestellt. Sie unterstützte am Mittwoch die Forderung des staatlichen Auslandssenders, die Aufnahmen wieder herauszugeben. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Die Pressefreiheit ist für uns ein hohes, nicht zu verhandelndes Gut." Dies gelte nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland.

Wegen der Beschlagnahme des Interviews wurde auch der deutsche Botschafter Martin Erdmann am Mittwoch bei der türkischen Regierung vorstellig. Sportminister Akif Cagatay Kilic hatte dem DW-Moderator Michel Friedman am Montagabend ein Interview für das Format "Conflict Zone" (Konfliktzone) gegeben. Nach Angaben des Senders wurde das Material aber unmittelbar danach von seinem Ministerium konfisziert. Kilic bestritt nicht, dass die Aufnahmen im Besitz des Ministeriums seien, er will das Einziehen des Materials aber nicht als Beschlagnahme verstanden wissen. Auf Twitter schrieb er am Dienstagabend, sein Ministerium habe lediglich eine "Verfügungsgewalt" angewendet.

Die Türkei hat unterdessen fast 36 000 verurteilte Häftlinge freigelassen und schafft damit Platz in den Gefängnissen. Die Maßnahme betreffe 7450 Verurteilte aus geschlossenen und 28 522 aus offenen Strafvollzugsanstalten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Per Notstandsdekret war zuvor beschlossen worden, dass rund 38 000 Häftlinge, die vor dem Putschversuch verurteilt wurden, unter bestimmten Voraussetzungen freikommen.
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