Studie der Deutsche Umwelthilfe
Umweltministerin als Umweltsünderin

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) fährt unter 231 Politikern das Dienstauto mit dem höchsten CO2-Ausstoß. Bild: dpa

Berlin. Seit dem Abgas-Skandal interessiert es nicht nur Umweltschützer, was hinten aus den Autos rauskommt. Die Deutsche Umwelthilfe untersucht regelmäßig, wie klimafreundlich Politiker sich chauffieren lassen. Dabei gibt es Überraschungen: Die deutsche Umweltministerin ist im Dienstwagen nicht gerade klimafreundlich unterwegs: Von den Bundesministern nutzt Barbara Hendricks das Auto mit dem höchsten CO2-Ausstoß.

Den letzten Platz im diesjährigen Dienstwagen-Check teilt sie sich mit zwei SPD-Parteikollegen, Justizminister Heiko Maas und Familienministerin Manuela Schwesig. Vor einem Jahr hatte Hendricks noch den ersten Platz belegt - ihr neues Auto stößt aber mehr CO2 aus, zudem haben viele Kollegen sich sparsamere Wagen zugelegt. Hendricks werde bald einen anderen Dienstwagen anschaffen, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Wahrscheinlich werde es ein Hybridauto - also ein Auto mit Elektro- und Benzinmotor.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der von Umweltschützern meist Ärger bekommt, steht dagegen ganz gut da: Der CSU-Politiker wird im Wagen mit dem zweitgeringsten CO2-Ausstoß gefahren, nur Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ist noch sparsamer unterwegs. Die Umwelthilfe hat für ihren am Mittwoch vorgestellten Vergleich 231 Politiker befragt.

Für SPD-Chef Sigmar Gabriel gibt es aus Sicherheitsgründen keine Angaben, da sein Dienstwagen besonders gepanzert ist. Ebenso für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Wenn ein Politiker mehrere Autos nutzt, schaut sich die Umwelthilfe nur das mit dem höchsten CO2-Ausstoß an. Eine "grüne Karte" für klimaverträgliche Fahrzeuge (mit weniger als 124 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer) bekam kein Bundesminister. Spitzenreiterin Wanka ist mit 132 Gramm unterwegs. Die EU erlaubt derzeit 130 Gramm pro Kilometer für neu zugelassene Autos, ab 2020 sollen es nur noch 95 Gramm sein.

Im Lichte des Abgas-Skandals vergab die Umwelthilfe ihre "grüne Karten" dieses Jahr an keine Dieselfahrzeuge, auch wenn diese im Schnitt weniger CO2 ausstoßen als Benziner. Elektroautos, die die Union mit einer Kaufprämie fördern will, finden sich in der Liste kaum. Im Vergleich der Landesregierungen fahren die Hamburger am sparsamsten. Den letzten Platz belegte die bayerische Landesregierung - Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hielt seine Daten in diesem Jahr allerdings geheim.
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