Sturm auf das Parlament erschüttert Bagdad
Irak droht Kollaps

Bagdad. Der Irak hat bereits mit genug Problemen zu kämpfen. Noch immer kontrolliert die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) große Teile des Landes. Obwohl die Armee zuletzt Erfolge vermelden konnte, kommt der Kampf gegen die Extremisten nur schleppend voran. Es fehlt dem Militär an Schlagkraft. Der niedrige Ölpreis hat das Land zudem in eine Finanzkrise gestürzt. Als wäre all das nicht genug, droht dem Irak seit dem Wochenende ein Zusammenbruch seines politischen Systems. Es waren chaotische Szenen, die sich am Samstag im Zentrum Bagdads abspielten. Tausende Anhänger des Schiitenpredigers Muktada al-Sadr stürmten die abgeschottete Grüne Zone, wo das Parlament, Ministerien und Botschaften liegen. Hunderte Demonstranten brachten das Abgeordnetenhaus über Stunden unter Kontrolle. Damit erreichte eine Krise ihren Höhepunkt, die seit Monaten schwelt und die irakische Politik blockiert. Im Vordergrund steht der Kampf gegen das Proporz- und Klientelsystem. Es verteilt die Ministerien und Ämter in Bagdad auf die unterschiedlichen Gruppen und Parteien, was im Sinne eines Machtgleichgewichts ist. Allerdings verstehen diese Kräfte dieses System als Freifahrtschein, um Posten mit Parteigängern zu besetzen - und sich und die eigene Klientel schamlos zu bereichern.

An die Spitze des Protests gegen dieses Klientelsystem hat sich mit Al-Sadr ausgerechnet eine der berüchtigsten politischen Figuren gesetzt. Der 42-Jährige befehligte die Mahdi-Armee, die gegen die US-Truppen kämpfte. Er will den Protest fortsetzen, bis Ministerposten mit Fachleuten besetzt sind. Der Ministerpräsident hat dies versprochen - war aber zu schwach, sich durchzusetzen. Für den Kampf gegen den IS hat dies fatale Auswirkungen, weil die Regierung mehr mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt ist, als mit den Extremisten. Der IS terrorisiert unterdessen auch in Bagdad die Bevölkerung. Bei drei Anschlägen starben am Montag mindestens 25 Menschen.
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