Stuttgarter Promi-Treff

Es ist Kirchentag in Stuttgart: Tausende strömen in die Hallen, wenn Bundespräsident Gauck, Finanzminister Schäuble und die Theologin Käßmann auf die Bühne kommen. Ihre Botschaften hört aber nicht jeder gern.

Singen, feiern und streiten: Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart hat am Donnerstag kontroverse Diskussionen über gerechtes Wirtschaften und die Griechenland-Krise aufgenommen. Die Theologin Margot Käßmann, Bundespräsident Joachim Gauck und Spitzenpolitiker lösten einen Besucherandrang aus. Die Kirchentagshallen waren mit tausenden Besuchern rappelvoll, das heiße Wetter machte vielen zu schaffen.

Am Vorabend war das Christentreffen mit mehreren Open-Air-Gottesdiensten und 250 000 Menschen bei einem bunten Straßenfest eröffnet worden. Bis zum Sonntag feiern rund 100 000 Dauerbesucher das Glaubensfest. Bei den Diskussionsforen kritisierte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Käßmann, die Profitgier in der Wirtschaft und rief zu Protest dagegen auf. "Wir können uns nicht ständig als Ausgelieferte in einem anonymen System betrachten", sagte sie.

Gauck betonte, die seit Jahren auf Kirchentagen erhobene Kritik an einer Politik des wirtschaftlichen Wachstums sei in Teilen einseitig. Wachstum und Wettbewerb hätten auch zu einem Zuwachs an Freiräumen und Lebensmöglichkeiten geführt. Schäuble sprach sich gegen einen Schuldenerlass für des Euro-Krisenland Griechenland aus. Schuldenschnitte bedeuteten auch eine Enteignung der Sparer, sagte der CDU-Politiker, der wie die meisten Besucher den roten Kirchentagsschal umlegte. Denn "mit dem Schuldenerlass sind die Forderungen auch weg. Das eine geht mit dem anderen zusammen". Käßmann, nach wie vor ein Publikumsmagnet, bewertete den Schuldenstreit mit Athen anders: Einen Erlass von Schulden solle es auch für Staaten geben. "Das wäre mal eine Vision für Griechenland".

Bundespräsident Gauck appellierte zudem an die Bevölkerung, mehr Verständnis für die Arbeit von Politikern aufzubringen. "Wir brauchen Respekt vor dem mühsamen Gestalten des nächsten Schrittes in der Politik", sagte Gauck vor rund 10 000 Zuhörern. Auch Fehler müssten Politikern zugestanden werden.

Heute wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Bundesinnenminister Thomas de Maizière will mit den Besuchern über Flüchtlingspolitik und Kirchenasyl debattieren.
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