Suche in Trümmern

Die Rückseite eines Hauses in Saint-Denis, einen Tag nach dem massiven Polizeieinsatz gegen mutmaßliche Terroristen. Hier hatten die Sicherheitskräfte eine Wohnung mit Verdächtigen gestürmt. Bild: dpa

Eine Woche nach den Anschlägen von Paris mit mittlerweile 130 Todesopfern sind weitere wichtige Details über die islamistische Terrorzelle ans Licht gekommen. Die Polizei fand am Freitag in der erstürmten Wohnung in Saint-Denis eine dritte Leiche.

Die Staatsanwaltschaft identifizierte sie als Hasna Aitboulahcen - nach Medienberichten war sie die Cousine des getöteten mutmaßlichen Drahtziehers Abdelhamid Abaaoud. Zudem wurde die Leiche eines noch nicht identifizierten Mannes entdeckt. Er hatte sich in die Luft gesprengt, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf Ermittler berichtete. Zunächst war angenommen worden, dass im Lauf des Einsatzes in Saint-Denis nördlich der Hauptstadt eine Frau durch eine Explosion ums Leben gekommen sein könnte. Acht Menschen waren festgenommen worden. Mindestens ein Verdächtiger ist weiter auf der Flucht: Der 26-jährige Salah Abdeslam, ein Bruder eines der Selbstmordattentäter, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Trauerfeier nächsten Freitag

Nach den Terroranschlägen ist die offizielle Zahl der Todesopfer von 129 auf 130 gestiegen. Das gab Ministerpräsident Manuel Valls am Freitag im Senat bekannt. Gut 350 Menschen wurden bei den Attacken vergangene Woche teilweise schwer verletzt. Frankreich will mit einer zentralen Zeremonie der Opfer der Terrorattacken gedenken. Die Trauerfeier am 27. November findet nach einem Bericht von Europe 1 im Invalidendom von Paris statt.

Am Freitag ist ein weiterer Attentäter identifiziert worden. Die Fingerabdrücke des Terroristen, der sich am Eingang H des Fußball-Stadions Stade de France um 21.30 Uhr in die Luft gesprengt hatte, entsprechen denen eines Mannes, der am 3. Oktober in Griechenland erfasst wurde. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Paris am Freitag mit. Bei dieser Kontrolle in Griechenland sei auch ein zweiter Attentäter registriert worden, der sich um 21.20 Uhr am Eingang D des Stadions mit einem Sprengstoffgürtel umgebracht hatte. Bei den Überresten dieses Mannes war auch ein syrischer Pass gefunden worden.

Ausnahmezustand bleibt

Der Ausnahmezustand in Frankreich wird bis in den Februar hinein verlängert. In dieser Zeit erhalten die Sicherheitsbehörden erweiterte Befugnisse. Der Senat als zweite Kammer des Parlaments stimmte einer entsprechenden Gesetzesvorlage am Freitag einstimmig zu. Zuvor hatte am Donnerstag bereits die Nationalversammlung für die Verlängerung des seit den Terrorattacken geltenden Ausnahmezustands votiert.

Das Gesetz enthält eine Reihe von Änderungen an der ursprünglichen Rechtsgrundlage für den Ausnahmezustand aus dem Jahr 1955. Dazu gehören Möglichkeiten zur Sperre von Internetseiten, zur Auflösung radikaler Moscheevereine und zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Zudem legte nach Russland auch Frankreich eine UN-Resolution zur Unterstützung des Kampfes gegen den IS vor.
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