"Sucht nach Gewalt"

Das Zentrum des "Kalifats" von Abu Bakr al-Baghdadi liegt 3000 Kilometer von Berlin entfernt. Trotzdem warnt der Verfassungsschutz, dass das staatsähnliche Gebilde der Terrormiliz IS langfristig auch für Deutschland eine Bedrohung sei.

Rechtsextremisten haben 2014 so viele Gewalttaten verübt wie seit sechs Jahren nicht mehr. Trotzdem hält der Verfassungsschutz islamistischen Terrorismus aktuell für die größte Bedrohung in Deutschland.

Im Verfassungsschutzbericht 2014, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, heißt es, je länger der Pseudostaat der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) existiere, desto größer werde die Terrorgefahr in Europa. "Die militärischen Erfolge des IS und die Ausrufung des "Kalifats" haben zu einer neuen Dimension terroristischer Bedrohung geführt", stellte der Inlandsgeheimdienst fest. Die IS-Miliz verfüge im Irak und in Syrien inzwischen über ein "logistisches Zentrum", um auch komplexe Attentate in anderen Staaten zu koordinieren.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, die EU-Staaten bemühten sich derzeit unter Führung Belgiens, eine umfassende Strategie zu entwickeln, um die von einer "extremen Sucht nach Gewalt" gekennzeichnete Internet-Propaganda des IS zu kontern. Die Experten wüssten aber noch nicht, wie das am besten zu bewerkstelligen sei. "Mit klassischen Sozialarbeiter-Methoden kommt man da nicht weiter", betonte de Maizière.

Wie der Verfassungsschutzbericht feststellt, hat die Zahl der deutschen Rechtsextremisten im vergangenen Jahr von 7400 auf 7200 abgenommen. Allerdings zeigten sich die Neonazis und andere Rechtsextremisten zunehmend gewalttätig. Die Zahl der Gewalttaten von Rechten stieg im vergangenen Jahr um 24 Prozent auf 990. Sie lag damit ungefähr genauso hoch wie die Zahl der linksextremen Gewalttaten (995).

Angriffe auf Asyl-Heime

Wie das Bundesinnenministerium berichtete, wurden seit Jahresbeginn bereits 175 strafbare Aktionen gegen Asylbewerberunterkünfte registriert. Schon im gesamten Jahr 2014 hatte sich die Zahl der Attacken auf Flüchtlingsheime verdreifacht: auf 198. Bei den meisten Straftaten ging es um Sachbeschädigung und fremdenfeindliche Propaganda.
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