Super Tueday lässt USA erzittern
Spätes Erwachen der Republikaner

Der 74-jährige Bernie Sanders singt bei einem Wahlkampfauftritt in Essex Junction in seinem Heimatstaat Vermont mit einer Band "This Land Is Your Land ". Der Folksong wurde 1940 von Woody Guthrie geschrieben. Ernstzunehmende Stimmen und Studien, sagen, Sanders sei der Einzige, der Trump besiegen könne. Bild: dpa

Es war der Tag von Donald Trump und Hillary Clinton. Aber nicht nur. Alle Kandidaten wollen ein Stück "Super"-Glanz des Wahltags mitnehmen - doch am Ende dieser Wahlschlacht steht ein unerbittliches Eins gegen Eins.

Washington. Der "Super Tuesday (Super Dienstag)" 2016 - ein Tag großer Siege und großer Aber. Ein bärenstarker Abend für Donald Trump, aber kein Durchmarsch. Ein überzeugender Sieg für Hillary Clinton, aber keine Begeisterung. Die beiden Favoriten haben ganz klar gewonnen, aber ihre Konkurrenten auch. Zumindest ein bisschen. Mindestens sieben gewonnene Staaten verleihen Trump noch mehr Macht. Auch Clinton ist voll auf Kurs Richtung Nominierung, dank sieben Siegen. Mit drei Staaten ist auch Ted Cruz ein Sieger, aber Bernie Sanders mit vier ebenso. Nur, dass Marco Rubio Minnesota gewann, könnte zu wenig sein.

Sander begeistert


Alle reklamieren nach diesem bislang wichtigsten Tag im US-Vorwahlkampf ein Stück vom Kuchen für sich. Bernie Sanders entfacht weiter größte Begeisterung. Er will auf jeden Fall bis zum Schluss dabei bleiben. Clinton schleppt ihr Problem mit den jungen Wählern weiter mit sich herum, auch das ihrer Glaubwürdigkeit und das Problem ihrer E-Mails. Trotzdem: Sieben von elf Staaten gewonnen, davon mit Texas das Sahnestück. Trump gewinnt mit Staaten wie Alabama und Massachusetts die unterschiedlichsten Wähler für sich, und erneut haben ihn so gut wie alle Gruppen unterstützt. Konservative, Evangelikale, Moderate, Arbeiter, höher Gebildete, Menschen ohne Abschluss, dazu kommen die üblichen Mitläufer und Siegerbewunderer. Der "Super-Tuesday" hat diese wachsende Welle nicht gebrochen.

Es gibt in diesen Tagen beunruhigende Studien, die das sprungartige Anwachsen der Trump-Bewegung mit der Sehnsucht nach einem starken Mann erklären. Mit dem Wunsch, all die Veränderungen im Land (weniger Weiße, mehr Liberalität, sieben Jahre Obama) und der Welt (Globalisierung, sinkender Einfluss der USA) mögen rasch geheilt werden: Grenzen dicht, Andersartigkeit raus. Was sich hier kristallisiert, ist nicht mehr der Kern der Republikanischen Partei oder des Konservatismus, das ist etwas Neues.

Richtung Obrigkeitsstaat


Vox.com zitiert Politikforscher, die darlegen, Trump sei erst der Anfang einer umstürzenden Entwicklung: Die USA auf dem Weg zum Obrigkeitsstaat. Perfekt verkörpere Trump die Führungseigenschaften des Autoritarismus: simpel, mächtig, strafend. Was man auf allen Veranstaltungen und in fast jedem Gespräch immer wieder hört: Trump, endlich jemand, der unsere Sprache spricht. Der sagt, was ist. Mit seiner zur Schau getragenen Radikalität befriedigt Trump den offensichtlich weit verbreiteten Wunsch nach vermeintlich einfachen Lösungen, der - in einem Land mit weniger als fünf Prozent Arbeitslosen - im Slogan "Let's make America great again (Lass uns Amerika wieder groß machen.)" gerinnt.

Sehr, sehr spät wachen nun die Republikaner auf und zetteln eine Revolte an. Gegen den eigenen Mann, wohlgemerkt. Entsetzt starrt das Establishment auf den Frontmann, der in beinahe allen Staaten Erster oder Zweiter wurde. Der weiter mit maximalem Dampf zur Nominierung unterwegs ist. Den sie schon lange nicht mehr kontrollieren. Trump gilt ihnen nur als Zerrbild eines Konservativen. Während die Republikaner in ihren Bürgerkrieg ("Washington Post") abstürzen, verbreitert Trump seine Basis. Staat für Staat. Das liegt auch daran, dass die Anti-Trump-Bewegung zersplittert ist und bleibt.

Ted Cruz wird nicht müde, das zu betonen. Dass er seinen Heimatstaat Texas gewinnen würde, war zu erwarten, den Nachbarstaat Oklahoma nicht unbedingt. Er zieht daraus am Abend eine lodernde Siegeszuversicht. "Ein Trump-Sieg wäre ein Debakel!", ruft er theatralisch der Partei zu, hinter ihm mögen sich alle versammeln, niemand sonst könne Trump schlagen, ein Präsident Trump sei peinlich für die Kinder.

Auch in Alaska gewinnt der stramme Rechtsausleger knapp. Siege in drei Staaten - drei Gründe für Cruz, seine Kampagne mit Macht weiterzutreiben, gegen alle Widerstände. Aber auch Cruz (45) ist ein Kandidat des reinen Anti. Er stammt aus der Tea-Party. Schneidig zieht er gegen das Establishment zu Felde, gegen Washington, gegen die Medien.

Offenes Rennen


Würde jetzt USA-weit gewählt, würde Trump nach einer CNN-Umfrage sowohl gegen Clinton als auch gegen Sanders verlieren. Interessanterweise schneidet Sanders im direkten Vergleich besser ab als Clinton, auch wenn es gegen Marco Rubio oder Cruz ginge. Und ob alle, die Trump wählen, auch den Mut haben, sich zu bekennen? Man wird in den nächsten Wochen immer weniger mutig sein müssen, Trump gut zu finden. Wie sagt er selber? "Tut mir ja leid, aber ich bin jetzt Mainstream." Trump hat bisher alle überrascht. Alle. Kaum jemand, der ihn nicht unterschätzt hätte. Die Wahl zum 45. Präsidenten der USA am 8. November ist ein offenes Rennen.

Wer wählt Donald Trump - und warum?Donald Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung). Er kann sein Spektrum aber erweitern.

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Bundesstaaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Trumps Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der "blue collars" (blauer Kragen im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich in Stich gelassen. Von einem Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Sehr viele Wähler Trumps wollten bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen.

Medien sind für Trump-Wähler ein Teil des Problems und des verkrusteten Systems, das sie ablehnen.

85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem Establishment kommt, sondern von außerhalb. (dpa)
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