Syrer helfen bei Jagd auf Terrorverdächtigen
Lob für mutige Tat

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Bild: dpa

Sie lieferten einen Terrorverdächtigen an die Polizei aus. Dafür erhalten Syrer viel Lob. Ihnen könnte aber auch Gefahr drohen.

Leipzig. Nach der Festnahme des Terrorverdächtigen Dschaber A. in Leipzig befürchten Syrer Racheakte der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Deshalb müsse von den Behörden für die Sicherheit der syrischen Flüchtlinge gesorgt werden, die den Terrorverdächtigen überwältigt und der Polizei übergeben hatten. "Denn eine solche Tat wird sicherlich vom IS nicht vergessen", sagte der Leiter der Leipziger Syrienhilfe, Hassan Zeinel Abidine, am Dienstag der dpa. Unter Landsleuten sei "die mutige Tat der Syrer" sehr gewürdigt worden. Das Lob der Kanzlerin allein reiche aber nicht. "Diese Leute müssen richtig gewürdigt werden. Denn das ist ja das, was alle wollen, was der Rechtsstaat will: Dass der Kampf gegen den Terror eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist." Als Auszeichnung könne er sich eine Urkunde oder eine Belohnung vorstellen.

Für die allermeisten Syrer sei das Handeln von Dschaber A. nicht zu verstehen, sagte Zeinel Abidine, der vor 40 Jahren aus Homs nach Deutschland kam. "Die Menschen in Aleppo leiden tagtäglich unter massiven Bombardements, und es ist nicht zu verstehen und mit nichts zu rechtfertigen, dass ein Syrer, der eigentlich Schutz suchen sollte, hier gegen den Rechtsstaat und die Gesellschaft vorgeht." Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat den syrischen Flüchtlingen gedankt. "Dies ist ein immenser Erfolg gegen den Terrorismus und zeigt, dass unter den hier lebenden Ausländern und Asylsuchenden eine große Mehrheit mit dieser Form des radikalen Islamismus nichts zu tun haben will." Der 22-jährige Dschaber A. wollte nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes im Auftrag des IS wohl einen Flughafen in Berlin attackieren.

Daten austauschen?


Unterdessen mehren sich die Rufe nach mehr Befugnissen für die Geheimdienste. Unionspolitiker verlangten, den Diensten Zugriff auf die Datenbank zu gewähren, in der die persönlichen Angaben von Flüchtlingen bei der Registrierung gespeichert werden. SPD und Linke wiesen die Forderung zurück. Die Grünen warnten vor vorschnellen Reaktionen. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte im ZDF-"Morgenmagazin", jede Information aus jeder Datenbank sei hilfreich. Er ergänzte aber auch, dass eine Information aus der Asyldatenbank im Fall von Dschaber A. "nicht so hilfreich gewesen" wäre, in anderen Zusammenhängen vielleicht aber schon.

Dschaber A. soll sich vor seinen Anschlagsvorbereitungen in der Türkei aufgehalten haben. Dies berichtete die "Welt" am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Geprüft wird auch, ob er von der Türkei aus nach Syrien reiste und sich dort in einem Ausbildungslager islamistischer Terroristen schulen ließ.
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