Syrien
Bombenhagel auf Aleppo

Der syrische Bub ist Opfer der Luftangriffe auf seine Heimatstadt Aleppo. Er trug glücklicherweise leichtere Verletzungen davon und wird in einer Behelfsklinik versorgt. Bild: AFP
 
"Ich bin jetzt 46 Jahre bei den Vereinten Nationen, 19 Kriege einschließlich Afghanistan, Irak sowie auf dem Balkan, was kompliziert genug war. Ich habe noch nie so viele Akteure mit so vielen unterschiedlichen Zielen wie in diesem Konflikt gesehen" Zitat: Staffan de Mistura, UN-Syrienvermittler

Für ein paar Stunden war es still in Aleppo, das in den vergangenen Tagen unter Dauerfeuer stand. Dann setzten das syrische Regime und seine Verbündeten die tödlichen Bombardements fort. Der Westen warnt den Assad-Verbündeten Russland.

Damaskus. (KNA/dpa/paa) Nach den heftigsten Bombardierungen Aleppos im syrischen Bürgerkrieg hat der Westen den Druck auf Russland erhöht. Die Geduld sei "im Hinblick auf Russlands fortgesetzte Unfähigkeit oder seine fehlende Bereitschaft, seinen Verpflichtungen nachzukommen, nicht unbegrenzt", betonten die Außenminister unter anderem der USA, Deutschlands und Großbritanniens laut offizieller Übersetzung nach einem Treffen in Boston. Moskau wies die Kritik zurück. Am Sonntagabend beriet in New York der UN-Sicherheitsrat über die Luftangriffe. Russland und die westlichen Staaten warfen sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation der Gewalt vor.

Vorangegangen war ein Bombenhagel des syrischen Regimes und seiner Alliierten auf die Rebellengebieten der belagerten Stadt. In Aleppo und im Umland wurden mehr als 230 Zivilisten getötet. Der Abwurf von sogenannten bunkerbrechenden Bomben auf Aleppo ist nach Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nichts anderes als "Barbarei". Ban sagte am Sonntag in New York: "Wir dürfen nicht vergessen, dass Krankenhäuser und Schulen wegen der Kämpfe nur noch im Keller arbeiten können. Diese Bomben sprengen nicht Bunker, sie vernichten Menschen, die nach dem letzten noch verbliebenen Zufluchtsort suchen." Das internationale Recht lasse keine Zweifel zu, wiederholte Ban in einer Erklärung am UN-Hauptsitz: "Der systematische Einsatz von weitreichenden Waffen in dicht besiedelten Gebieten ist ein Kriegsverbrechen." Die Bombardements bedeuten für UN-Syrienvermittler Staffan de Mistura "eine Rückkehr zum offenen Konflikt". Aus seiner Sicht sei es die schlimmste humanitäre Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg,

In Aleppo wird Situation immer verheerender. Derzeit sind in der Stadt fast zwei Millionen Menschen ohne Zugang zu fließendem Wasser, teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit. Bei schweren Angriffen sei eine wichtige Wasserpumpen-Station beschädigt worden, die wegen der anhaltenden Attacken nicht repariert werden könne.

Appell an Russland


Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Russland am Freitag (Ortszeit) in einer Rede vor der UN-Vollversammlung aufgefordert, seinen Einfluss auf den syrischen Machthaber Baschar al-Assad geltend zu machen: "Assads Luftwaffe muss ihre Angriffe stoppen. Dafür sehe ich auch Moskau in der Verantwortung." Kurienkardinal Kurt Koch forderte am Samstag in Regensburg, die Europäer müssten mehr Verantwortung übernehmen, um die Gewalt zu beenden. Nach dem Dauerfeuer der Vortage setzten die syrische und russische Luftwaffe am Sonntagvormittag ihre Angriffe für einige Stunden aus. Die Bombardements gingen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Tagesverlauf aber weiter. Am Sonntag seien wieder mindestens 23 Menschen in Aleppo getötet worden, darunter mindestens zwei Kinder. Der syrische Machthaber Baschar al-Assad hatte vor Wiederaufnahme der Luftangriffe auf Aleppo am Donnerstag eine Bodenoffensive angekündigt, um die Stadt vollständig zurückzuerobern.

Fassbomben auf Zivilisten


Ein Aktivist sagte, Artilleriefeuer und international geächtete Fassbomben würden die Rettungsmaßnahmen für die unter den Trümmern verschütteten Menschen erschweren. Die wenigen noch arbeitsfähigen Krankenhäuser Aleppos seien mit den vielen Verwundeten überfordert. Es fehle an medizinischer Ausrüstung und Personal. "Wir haben nicht genug Ärzte, um mit der hohen Zahl an Verletzten fertig zu werden", sagte Ibrahim al-Hadsch, Sprecher der Weißhelme in Aleppo. Seit Juli konnten keine Arzneien in den belagerten Ostteil gebracht werden.

Ich bin jetzt 46 Jahre bei den Vereinten Nationen, 19 Kriege einschließlich Afghanistan, Irak sowie auf dem Balkan, was kompliziert genug war. Ich habe noch nie so viele Akteure mit so vielen unterschiedlichen Zielen wie in diesem Konflikt gesehenStaffan de Mistura, UN-Syrienvermittler
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