Syrien plant Offensive

Seit vergangener Woche werfen russische Militärjets Bomben auf Ziele in Syrien. Bild: Russisches Verteidigungsministerium/dpa

Seit rund einer Woche bombardieren russische Jets Ziele in Syrien. Angeblich sollen sie den IS bekämpfen. Doch es wird immer deutlicher, dass Moskau vor allem die Macht des Assad-Regimes sichern will.

Nach dem Beginn der russischen Luftangriffe in Syrien planen das Regime und seine Verbündeten offenbar eine Bodenoffensive gegen ein Bündnis verschiedener Rebellen. Für den Angriff im Nordwesten Syriens seien Tausende Kämpfer der syrischen Streitkräfte, der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah und der iranischen Revolutionsgarden mobilisiert worden, hieß es aus dem Umfeld eines von der Hisbollah geführten Bündnisses. Russische Flugzeuge flogen zugleich neue Angriffe in Syrien und bombardierten unter anderem die von der IS-Terrormiliz beherrschte Wüstenstadt Palmyra. Bei rund 40 Luftschlägen seit dem Vortag seien in Syrien 19 IS-Kämpfer ums Leben gekommen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Russland hatte vor einer Woche mit Luftangriffen in Syrien begonnen und angekündigt, damit sollte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft werden. Die Luftschläge richteten sich Aktivisten zufolge aber bisher nicht nur gegen die Extremisten, sondern vor allem gegen Rebellen, die sowohl mit dem IS als auch mit dem Regime verfeindet sind. Ihnen gilt den Informationen zufolge auch die geplante Bodenoffensive. Angegriffen werden sollen demnach Gebiete nördlich der Stadt Homs und in der Provinz Idlib, die von einem Bündnis verschiedener Gruppen kontrolliert wird. Dazu gehört neben gemäßigten Brigaden der Freien Syrischen Armee (FSA) auch die Al-Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Eine Bodenoffensive dürfte scharfe Kritik westlicher und sunnitischer Staaten hervorrufen, die in der Region aktive Rebellen unterstützen. US-Präsident Barack Obama hatte Moskau am Wochenende vorgeworfen, es greife in Syrien vor allem gemäßigte Oppositionelle an, um dadurch das Regime des Machthabers Baschar al-Assad zu stützen. Dadurch werde indirekt auch der IS gestärkt.

"Ausländische Kämpfer"

FSA-Militärberater Osama Abu Seid erklärte, die Offensive werde nicht zu einem Vormarsch des Regimes führen: "Sie setzen ausländische Kämpfer ein, die nicht auf ihrem eigenen Boden kämpfen." Mehr als 40 Rebellengruppen hatten der russischen Luftwaffe am Montag ein "Massaker" an Zivilisten vorgeworfen und Vergeltung angedroht. Der US-Sender Fox News hatte bereits vor wenigen Tagen berichtet, der Iran habe Bodentruppen nach Syrien gesandt. Der schiitische Iran ist neben Russland der wichtigste Verbündete des Assad-Regimes. Der Kreml schloss nicht aus, dass russische Freiwillige auf der Seite Assads kämpfen könnten.
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