Terror-Anklage gegen Sven Lau
„Abu Adam“ vor Gericht

Der Salafistenprediger Sven Lau gestikuliert am Dienstag vor Prozessbeginn im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Düsseldorf. Die Bundesanwaltschaft hat ihn als mutmaßlichen Terror-Unterstützer angeklagt. Bild: dpa

Unter den Augen seiner Anhänger nimmt Salafistenprediger Sven Lau alias "Abu Adam" auf der Anklagebank Platz. Prompt kündigt das Gericht an, ihn möglicherweise sogar als IS-Terroristen zu verurteilen.

Düsseldorf. In einem hellgrauen Oberhemd lässt sich Sven Lau auf die Anklagebank führen. Er winkt kurz in den Zuschauerraum, streckt den Daumen nach oben, dann nimmt er hinter Panzerglas Platz. Neun Monate hat Lau - neben Pierre Vogel das Gesicht des radikalen Islams in Deutschland - in Untersuchungshaft gesessen. Seit Dienstag wird ihm am Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gemacht. Angeklagt ist er als Unterstützer der syrischen Terrorgruppe Jamwa ("Armee der Auswanderer und Helfer"). Doch der Vorsitzende Richter Frank Schreiber eröffnet Lau sogleich, dass der Senat erwägt, ihn auch als Terroristen des "Islamischen Staats" zu verurteilen.

"Unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe" habe Lau die islamistische Terrormiliz Jamwa unterstützt, die damals bereits eng an den "Islamischen Staat" angebunden war und später in ihm aufgegangen sei. "Sein Netzwerk Gleichgesinnter reicht von hier bis Syrien", sagt Staatsanwalt Malte Merz. Lau sei ein Befürworter des Heiligen Kriegs. Dass aus dem Umfeld Laus reihenweise junge Männer nach Syrien verschwinden, war dem Verfassungsschutz schon lange aufgefallen. Beweise gegen Lau zu suchen, nahm geraume Zeit in Anspruch. Inzwischen sollen zwei der von Lau in die Jamwa-Reihen vermittelten Islamisten gegen ihn aussagen. Dem 35-Jährigen drohen nach Angaben des Gerichts als Gesamtstrafe bis zu 15 Jahre Haft. Laut Anklage hat Lau im Jahr 2013 zwei Salafisten aus Deutschland mit Hilfe eines Schleusers in die Reihen Jamwas gelotst. Einer von ihnen soll ein in Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft verurteilter Islamist sein. Zudem soll Lau der Terrormiliz drei Nachtsichtgeräte und Geld verschafft haben.

Ein gutes Dutzend Anhänger aus der Islamistenszene hat am Dienstag den Weg in den Hochsicherheitstrakt gefunden, bärtig und wortkarg. Laus Verteidiger Mutlu Günal spart nicht mit starken Worten, bezeichnet die Anklage als "juristischen Blindflug". Er lässt keine Gelegenheit aus, die beiden "Kronzeugen" der Anklage unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Der Generalbundesanwalt vertraue "einem notorischen Lügner und einem Verrückten", wettert Günal.

Bis 2011 tummelte sich Ex-Feuerwehrmann Lau alias "Abu Adam" mit seinem Verein "Einladung zum Paradies" in Mönchengladbach. Für noch größeres Aufsehen sorgte Lau dann 2014 als Initiator der "Scharia-Polizei" in Wuppertal. Die Bundesanwaltschaft bescheinigt Lau mit seiner "emotionalen Rhetorik" eine "hohe suggestive Wirkung" auf junge Muslime. 30 Verhandlungstage hat das Oberlandesgericht bis Mitte Januar 2017 für den Fall angesetzt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.