Terror aus dem Norden

Malische Polizeieinheiten vor dem Hotel in Bamako. Hier beendeten sie am Freitagnachmittag eine Geiselnahme, die sich über viele Stunden hingezogen hatte. Mutmaßlich islamistische Terroristen hatten mehr als 100 Menschen in ihrer Gewalt. Einige Medien meldeten bis zu 18 Todesopfer. Bild: AFP

Terroristen schlagen in der Hauptstadt Malis zu. Vermutlich sind es Islamisten. Sie wollen Chaos im Land verbreiten. Die Bundeswehr soll deshalb schon vom nächstem Jahr an im Rückzuggebiet der Terroristen in der Sahara-Region für Stabilität sorgen.

Das Luxushotel Radisson Blu in der Hauptstadt von Mali ist sicher. So sahen es Geschäftsleute, Diplomaten und auch die Vereinten Nationen. Der Anschlag der mutmaßlichen Islamisten auf das noble Hotel in Bamako hat daher große Symbolkraft. "Nichts ist vor uns sicher!" - das ist die Botschaft der Dschihadisten.

Die Angreifer, die womöglich der sunnitischen Al-Kaida nahestehen, wollen die gerade begonnene Stabilisierung Malis verhindern. Die selbst ernannten Gotteskrieger hatten es offenbar gezielt auf Nicht-Muslime abgesehen. Wer das islamische Glaubensbekenntnis rezitieren konnte, wurde freigelassen, wie ein Polizeibeamter in Bamako sagte. Damit wiederholt sich ein Muster, das schon bei anderen Anschlägen in Afrika zutage trat, etwa in Nigeria oder Kenia: Getötet werden sollen vor allem Andersgläubige.

Durchlässige Grenzen

Bis zum späten Freitagnachmittag hatten die Geiselnehmer noch rund 80 Menschen in ihrer Gewalt. Zwölf Franzosen, fünf Türken und zwei Deutsche konnten entkommen. Unter den Geiseln im Hotel waren noch einige Inder, Chinesen, Belgier und womöglich auch Franzosen.

Im Norden Malis sind seit Jahren islamistische Extremisten aktiv, die Verbindungen zu Al-Kaida haben. Die Region, dominiert von der Sahara, ist etwa so groß wie Frankreich und kaum effektiv zu überwachen. Die Grenzen in der Wüste zu den Nachbarstaaten Algerien und Niger sind durchlässig.

Hier leben auch die Tuareg, die seit Jahrzehnten nach mehr Autonomie oder Unabhängigkeit streben. 2012 übernahmen die Tuareg und islamistische Gruppen die Macht in Nordmali. Erst ein militärisches Eingreifen Frankreichs im Januar 2013 ermöglichte die Rückeroberung der Gebiete. Neben einer EU-Mission gibt es in Mali auch einen UN-Blauhelmeinsatz mit mehr als 10 000 Soldaten und Polizisten.

"Langer Atem" nötig

Bei der Stabilisierung des Nordens soll nun auch die Bundeswehr helfen. Bei einem Besuch in Mali Ende Juli sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, man brauche dazu einen "langen Atem und große Ausdauer". Aktuell sind in Mali mehr als 200 deutsche Soldaten als Teil der EU-Mission stationiert

Stabilität wollen die sunnitischen Fundamentalisten jedoch verhindern. In den vergangenen Monaten ist die Zahl ihrer Angriffe deutlich gestiegen. Erst im August hatten radikale Islamisten ein bei UN-Mitarbeitern beliebtes Hotel nördlich von Bamako in ihre Gewalt gebracht. Nach einer 24-stündigen Geiselnahme waren 13 Menschen tot, darunter fünf UN-Mitarbeiter. Seit 2013 wurden bereits 56 Blauhelmsoldaten getötet, zumeist im Norden.
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