Terror-Spur nach Recklinghausen
Der in Paris getötete Angreifer war in Deutschland schon lange polizeibekannt

Noch im Dezember soll der Mann, der am Donnerstag beim Angriff auf Pariser Polizisten erschossen wurde, in dieser Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) gewohnt haben. Für die Polizei war er schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bild: dpa

Recklingshausen/Paris. Am vergangenen Donnerstag erschießen Polizisten in Paris einen Mann, der sie mit einem Schlachterbeil attackiert. Jetzt kommt heraus: Der Angreifer lebte zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Recklinghausen, verherrlichte die IS-Terrormiliz und war der Polizei gut bekannt.

Bis Dezember wohnte der Mann in Recklinghausen. In seinen Räumen wurden zwei von ihm gefertigte Zeichnungen der Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden.

Der mutmaßliche Islamist war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo", an einer Polizeistation in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn.

Der Angreifer sei 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist und soll davor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt haben, sagte Jacob. Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier. "Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist", sagte Jacob. Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen und habe von der Stadt eine "Aufenthaltsgestattung" bekommen.

Die deutschen Ermittler gehen laut Jacob davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt, der sich radikalisiert habe. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Netzwerk im Hintergrund stehe. Eine 60-köpfige Ermittlungskommission arbeite unter Hochdruck an der Aufklärung der wahren Identität des Mannes, sagte Jacob. Bei Durchsuchungen in dem Recklinghäuser Asylbewerberheim seien Datentäger, Handy-Sim-Karten und Zettel in arabischer Sprache sichergestellt worden. Das Strafverfahren gegen ihn in Bezug auf die IS-Fahnen sei wieder eingestellt worden. "Wenn jemand zwei IS-Fahnen gezeichnet hat, heißt das nicht, dass wir ihn rund um die Uhr bewachen können", sagte Jacob.

Nach französischen und deutschen Angaben wurden bei dem erschossenen Angreifer Personalpapiere gefunden, die ihn als Tarek Belgacem auswiesen. Ein Mann unter diesem Namen sei am selben Tag in Abwesenheit von einem französischen Strafgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Schon 2014 wurde er zudem vom Amtsgericht Recklinghausen wegen Rauschgiftdelikten zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er soll auch auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und ihn mit Alkohol übergossen sowie einen weiteren Mann schwer verletzt haben. In einer Kölner Diskothek soll er Frauen angegrapscht haben. Der Mann sei einmal auch in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Laut Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve soll sich der Mann auch in der Schweiz und Luxemburg aufgehalten haben.
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