Terroristen nehmen Geiseln in Dhaka
Drama endet mit 28 Toten

(Foto: dpa)
 
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Die ganze Nacht halten Angreifer ein Restaurant in der Hauptstadt von Bangladesch besetzt. Mehr als 30 Menschen sind in ihrer Gewalt. Dann greift die Polizei ein. Das Drama endet blutig.

Dhaka. Insgesamt 28 Menschen sind bei einer Geiselnahme in der Hauptstadt von Bangladesch nach Militärangaben ums Leben gekommen. Nach einer stundenlangen Belagerung in der Nacht stürmten Sicherheitskräfte am Samstagmorgen (Ortszeit) den Tatort, ein Restaurant, und erschossen sechs der sieben mutmaßlich islamistischen Terroristen. Insgesamt starben während der Geiselnahme 20 Zivilisten, sechs Geiselnehmer und zwei Polizisten, wie ein Militärsprecher am Samstag mitteilte. Ein Geiselnehmer wurde festgenommen.

Am Freitagabend um kurz vor 21 Uhr (Ortszeit) hatten nach neuesten Angaben sieben Bewaffnete das bei Ausländern beliebte Restaurant «Holey Artisan Bakery» angegriffen und sich dort mit Geiseln verschanzt. Nach Augenzeugenberichten zündeten die Angreifer mehrere Sprengsätze und feuerten Schüsse in dem Lokal ab. Zunächst war von mindestens acht Tätern die Rede gewesen, die der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angehören sollen.

Viele der getöteten Zivilisten starben bereits im Laufe der Nacht, wie der Militärsprecher erklärte. Demnach brachten die Angreifer die meisten von ihnen wahrscheinlich mit Messern und Macheten um. 13 Geiseln wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht, wie Premierministerin Sheikh Hasina zuvor erklärt hatte.

Zur Nationalität der Opfer machte der Sprecher zunächst keine Angaben. Die italienische Agentur Ansa berichtete, unter den Geiseln seien sieben Italiener gewesen. Unter den ins Krankenhaus gebrachten Geiseln waren ein Japaner und zwei Sri-Lanker, wie das Militär bestätigte. Das Auswärtige Amt hatte kurz nach dem Zugriff keine Hinweise darauf, dass Deutsche betroffen sein könnten.

Zu der Gewalttat bekannte sich nach Angaben der US-Terrorbeobachtungsstelle Site die Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina sprach von einem Terrorakt, nannte jedoch keine Namen von Organisationen: «Wir werden keinen Akt des Terrorismus in Bangladesch dulden.»

Seit Anfang 2013 leidet das muslimische Bangladesch mit seinen rund 160 Millionen Einwohnern unter einer Serie islamistisch motivierter Angriffe. Viele der inzwischen mehr als 50 Opfer sind Religionskritiker, Intellektuelle und Angehörige religiöser Minderheiten. Auch gegen ausländische Staatsbürger wurden schon Anschläge verübt - zuletzt im Oktober 2015 gegen den Japaner Kunio Hoshi, der auf einer Farm in Nordbangladesch arbeitete.

Das Auswärtige Amt aktualisierte nach der Geiselnahme seine Reisewarnung für Bangladesch. "Auch wenn derzeit keine konkreten Hinweise auf eine spezifische Gefährdung deutscher Interessen vorliegen, wird Reisenden landesweit zu besonderer Wachsamkeit geraten", erklärte das Außenministerium. Reisende sollten größere Menschenansammlungen sowie von Ausländern frequentierte Treffpunkte und Veranstaltungen derzeit möglichst meiden.

Erst am Freitagmorgen war der jüngste vergleichbare Anschlag passiert, als mutmaßlich islamistische Attentäter einen Mitarbeiter eines Hindu-Tempels im Jhenaidah-Distrikt töteten.

Zu vielen der Attentate bekannten sich islamistische Organisationen wie Al-Kaida und der Islamische Staat (IS) oder lokale Organisationen, die mit ihnen verbunden sind. Vor zwei Wochen hatte die Polizei in einer umstrittenen Aktion landesweit mehr als 12 000 Menschen in einem Großeinsatz gegen Extremismus festgenommen. Die Regierung bestreitet jedoch, dass der IS in Bangladesch aktiv sei und macht örtliche Extremistengruppen und die Opposition für die Anschläge verantwortlich.
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