Terrrorgruppe Boko Haram trotz Geiselbefreiung längst nicht besiegt - Viele Entführte
Chiboks Mütter bangen weiter

Für die Menschen aus Chibok - hier bei einer Mahnwache zum ersten Jahrestag der Geiselnahme von 200 Schülerinnen aus dem Ort - geht das Bangen weiter. Unter den aus den Fängen der Terrorgruppe Boko Haram befreiten Mädchen ist keine der Entführten. Bild: dpa
Entführte Mädchen und Frauen werden von Boko Haram als Sexsklavinnen gehalten, zwangsverheiratet oder zum bewaffneten Kampf gezwungen. Die Befreiung von 300 weiblichen Geiseln aus den Klauen der islamistischen Terroristen im schwer zugänglichen Sambisa-Wald in Nigeria ist daher ein großer Erfolg für die Regierung in Abuja. Amnesty International zufolge aber haben die Extremisten allein seit 2014 mehr als 2000 Frauen entführt.

Am Dienstag war die Hoffnung zunächst groß, dass die vor einem Jahr verschleppten mehr als 200 Schülerinnen aus Chibok unter den befreiten Geiseln sein könnten. Die Hoffnungen wurden aber enttäuscht. Die Entführung der überwiegend christlichen Mädchen aus Chibok hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Sie waren mitten in der Nacht aus ihren Schlafsälen verschleppt und fortgebracht worden. Seither fehlt von den Mädchen jede Spur.

Sie sind weltweit zum Symbol geworden: zum einen für die Grausamkeit von Boko Haram, zum anderen für die Unfähigkeit der nigerianischen Regierung, den Terroristen Einhalt zu gebieten. Präsident Goodluck Jonathan wurde abgewählt, weil Boko Haram in seiner Amtszeit seit 2010 von einer obskuren Sekte zu einer nationalen Bedrohung heranwuchs. Seither sind bei Attacken der Terroristen geschätzt mindestens 14 000 Menschen getötet worden; 1,5 Millionen sind auf der Flucht.

Jonathans designierter Nachfolger Muhammadu Buhari will Boko Haram ausmerzen. Die Streitkräfte haben - mit dem Militär der Nachbarländer Tschad, Kamerun und Niger - zuletzt viele Erfolge vermeldet. Diese sind wegen des Kriegsrechts aber kaum zu überprüfen, da es keinen Zugang für unabhängige Beobachter gibt. Das Ausmaß des Terrorfeldzugs wird wohl erst erkennbar werden, wenn der Nordosten Nigerias zurückerobert ist. Im befreiten Damasak etwa wurden nun Hunderte verwesende Leichen entdeckt.
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