Therapeuten fordern mehr Behandlungen für Flüchtlinge
Traumata bekämpfen

(dpa/KNA) Für Zehntausende traumatisierte Flüchtlinge werden nach Ansicht von Deutschlands Psychotherapeuten zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten gebraucht. "Mindestens die Hälfte der Flüchtlinge ist psychisch krank", sagte der Präsident der Psychotherapeutenkammer, Dietrich Munz, am Mittwoch. Viele Flüchtlinge hätten Krieg, Gewalt oder Verfolgung erlebt. Die Folgen seien Posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen.

40 000 bis 80 000 Flüchtlinge bräuchten nach Einschätzung der Kammer Therapien. Bei geflüchteten Kindern, die besonders verletzlich seien, seien schätzungsweise bis zu 30 Prozent psychisch krank. In den gut 20 Zentren für Folteropfer bekämen aber nur bis zu 4000 Menschen pro Jahr eine Behandlung. In den ersten 15 Monaten würden Flüchtlinge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ohnehin nur in Akutfällen behandelt. "Psychische Erkrankungen werden von den Sozialbehörden in der Regel nicht dazugezählt", sagte Munz. Aber auch danach bekämen Migranten kaum Therapieplätze.

Die Kammer forderte die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenkassen zur Abhilfe auf. In ihren Ausschüssen müssten sie nun Psychotherapeuten ermächtigen, Behandlungen auf Kassenkosten anzubieten. Auch Dolmetscher müssten finanziert werden.
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