Tortenattacke auf Wagenknecht bei Parteitag
Ganz linke Tour

Eklat auf dem Linken-Parteitag: Nach einem Angriff mit einer Sahnetorte auf die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sahra Wagenknecht (unten), eilen Parteichefin Katja Kipping (links) und Fraktionschef Dietmar Bartsch zu Hilfe. Bild: dpa

Bei den jüngsten Wahlen wurde die Linke arg gebeutelt. Mit der Warnung vor einem "Rechtsruck" will sie jetzt wieder punkten. Fraktionsvorsitzende Wagenknecht wird Opfer eines Torten-Angriffs - und vom Parteitag gefeiert.

Magdeburg. Mit einer klaren Abgrenzung zu allen anderen Parteien will die Linke nach den jüngsten Wahlniederlagen wieder in die Offensive kommen. Auf einem Parteitag in Magdeburg schwor Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht die Basis am Sonntag auf eine "richtig klare linke Politik" ein. Zugleich machte sie die Große Koalition für einen Rechtsruck in Deutschland und ganz Europa verantwortlich. Von den annähernd 580 Delegierten wurde Wagenknecht mit großem Applaus gefeiert. Das Vorsitzenden-Duo Katja Kipping und Bernd Riexinger erhielt bei der Wiederwahl hingegen einen Dämpfer. Beide schnitten, ohne dass es Gegenkandidaten gab, schwächer ab als vor zwei Jahren. Kipping (38) erhielt 74 Prozent (2014: 77 Prozent) der Delegiertenstimmen. Riexinger (60) kam nach knapp 90 Prozent jetzt nur noch auf 78,5 Prozent.

Kipping und Riexinger appellierten an die eigene Basis, sich von Wahlschlappen nicht ermutigen zu lassen. Kipping forderte, die Linke müsse wieder "widerständiger und frecher" werden. Mit großer Mehrheit beschlossen die Linken soziale Forderungen wie eine Mindestsicherung und Mindestrente von 1050 Euro. "Reichtum ist teilbar", sagte Riexinger. Wagenknecht warb für einen grundlegenden Politikwechsel. Union und SPD hätten mit der Zerstörung sozialer Sicherungssysteme ein Klima geschaffen, in dem es nun "Potenzial für rechts" gebe. Der AfD warf sie vor, "Teil des neoliberalen Parteienkartells" zu sein.

Überschattet wurde das Treffen durch einen Angriff auf Wagenknecht gleich zu Beginn. Die Ehefrau von Oskar Lafontaine wurde Opfer einer Torten-Attacke. Ein 23-jähriger Mann drückte ihr eine Cremetorte ins Gesicht. Auf Flugblättern wurde die Attacke mit Wagenknechts Kurs in der Flüchtlingspolitik begründet. Eine selbsternannte "Antifaschistische Initiative" verglich sie mit der AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die im Februar ebenfalls mit einer Torte beworfen worden war. Wagenknecht sagte dazu: "Schlimmer als die ganze Torte finde ich die Beleidigung, mit Frau von Storch auf eine Ebene gestellt worden zu sein."

"Asozial" und "dumm"


Der Rest der Parteispitze nahm Wagenknecht geschlossen gegen die Vorwürfe in Schutz. Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch meinte zu dem Angriff: "Das ist nicht links, das ist auch nicht antifaschistisch. Das ist asozial, das ist hinterhältig, das ist dumm." Gegen den Angreifer wird nun wegen Körperverletzung ermittelt. Wagenknecht ließ offen, ob sie selbst Anzeige stellt. Der immer noch prominenteste Linke-Politiker fehlte in Magdeburg: Gregor Gysi war zum ersten Mal auf einem Parteitag nicht dabei. Der 68-Jährige verzichtete auf die Anreise, weil ihn die jetzige Führungsriege nicht reden lassen wollte.
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