Trauer nach Massaker von Orlando
FBI prüft Verbindungen zu Islamisten

Orlando. Nach dem schlimmsten Terrorangriff in den USA seit dem 11. September 2001 wollen die Ermittler Verbindungen des Attentäters zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) aufklären. Die Polizei bestätigte am Montag, dass der Angreifer sich während seiner Bluttat in einem Anruf bei der Polizei zum IS bekannt habe. Es gibt bisher aber keine bekannten Kontakte des Täters zum internationalen Terrorismus.

Wirre Bekenntnisse


Nach den Worten von US-Präsident Barack Obama war das Massaker weder Teil eines größeren Terrorplans noch international gesteuert. "Wir haben noch kein endgültiges Urteil gefällt, was die genaue Motivation des Killers angeht," erklärte Obama. Es gebe aber Anzeichen, dass der Täter von verschiedenen Quellen über das Internet extremistisch inspiriert worden sei.

Die Bundespolizei FBI erklärte, die Motivlage sei weiter unklar. Der Mann habe bei drei Telefonkontakten mit der Polizei während des Attentats mehrere Terrororganisation angegeben, für die er Sympathien hege. Zum Teil stünden diese sich aber in tiefer Feindschaft gegenüber, die Angaben passten nicht zueinander. Nach Darstellung des IS-Senders Al-Bajan war Todesschütze Omar Mateen ein Kämpfer der Terrormiliz. Al-Bajan gilt als offizielles Verlautbarungsorgan der Dschihadisten. Es wurde nicht gesagt, dass die Tat von der IS-Führungsebene geplant und in Auftrag gegeben wurde.

Mateen (29), ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte in der Nacht zum Sonntag in einem Schwulenclub in Orlando (Florida) 49 Menschen getötet und 53 verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Trump fordert Rücktritt


Die Tat wurde binnen Stunden Gegenstand erbitterten Streits im US-Wahlkampf. Während der laufenden Ermittlungen zu den Motiven des Täters und einer möglichen IS-Verbindung preschte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump vor: Er forderte US-Präsident Barack Obama zum Rücktritt auf, weil dieser in seiner Stellungnahme nicht die Worte "radikaler Islamismus" benutzte. Trumps Äußerungen wurden als vorschnell und Besserwisserei kritisiert, außerdem habe er kein Wort für die Hinterbliebenen übrig gehabt. Das Massaker heizte auch die Debatte über schärfere Waffengesetze weiter an. Mateen, der vor einigen Jahren mehrfach vom FBI überprüft worden war, hatte kurz vor der Tat legal ein Gewehr und eine Pistole erworben.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton sprach sich erneut für ein strengeres Waffengesetz aus. Zwar hätten gesetzestreue Bürger ein Recht, eine Waffe zu tragen, sagte Clinton. "Aber wir können Maßnahmen ergreifen, damit Waffen nicht in die Hände von Kriminellen und Terroristen fallen."

Trump forderte auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil sie die Wörter "radikaler Islam" ebenfalls nicht verwendet habe.

"Unser Herz ist schwer"


Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete das Massaker von Orlando als erschreckend und versicherte zugleich, dass Deutschland auch im Angesicht derartiger Grausamkeiten ein offenes Land bleiben werde. "Unser Herz ist schwer", sagte Merkel am Montag am Rande der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Peking. Aber auch solch mörderische Anschläge und die tiefe Trauer darüber würden Deutschland nicht davon abhalten, ein "offenes Leben" fortzusetzen.

Auf allen Bundesgebäuden in den USA wehen die Fahnen auf Halbmast. Auch international wurde die Tat mit Entsetzen aufgenommen. Die größte Muslimorganisation der USA erklärte: "Es gibt für solch ein Verbrechen keinerlei Rechtfertigung."

Im Gedenken an die Opfer von Orlando hat das One World Trade Center in New York seinen Antenne in den Regenbogenfarben der Schwulen- und Lesbenbewegung erstrahlen lassen. Auch der Pariser Eiffelturm wechselt seine Farben.

Bild: dpa

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