Trauer um Schimon Peres
Vom Falken zum Versöhner

Der ehemalige israelische Präsident Shimon Peres (1923-2016) ist am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben. Archivbild: dpa
 
Die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton und der israelische Präsident Schimon Peres bei einer Pressekonferenz im Juli 2012 in Jerusalem. Bild: dpa

Tel Aviv/Weiden. Mit Schimon Peres ist einer der letzten israelischen Gründungsväter gestorben. Der ehemalige Staatspräsident (2007-2014) gestaltete mehr als 70 Jahre die Politik seines Landes mit - und er wandelte sich in dieser Zeit vom Falken zum Versöhner und Friedensvisionär. Sein größter politischer Triumph war im Jahr 1993 die Unterzeichnung des Oslo-Abkommens zwischen Israelis und Palästinensern. Dafür erhielt der damalige Außenminister Peres zusammen mit Ministerpräsident Jitzchak Rabin sowie dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat, ein Jahr später den Friedensnobelpreis.

Das damit verbundene Versprechen auf Frieden konnte weder Rabin, der im November 1995 von einem jüdischen Fanatiker ermordet worden war, noch Schimon Peres, der ihn für ein halbes Jahr als Ministerpräsident beerbte, wahrmachen. Für seine damalige Vision eines "Neuen Nahen Osten" wurde Peres vor allem in Europa und den USA gefeiert. Darin begründet sich bis heute seine Beliebtheit. Obwohl die Vision, aus heutiger Sicht weltfremd wirkt.

Region versinkt in Gewalt


Die Region versinkt in Gewalt, und die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis ist weiter entfernt denn je. Der amtierende israelische Ministerpräsident Benjamin Netenjahu mit seiner rechts gerichteten Regierung und der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, haben sich schon seit langer Zeit nichts zu sagen. Peres schien als Präsident vielen in Europa und in den USA als das immerwährende Versprechen auf Frieden, trotz der Politik Netanjahus.

"Sein wichtigstes Anliegen war es immer, dem jüdischen Volk zu dienen", sagte Sohn Chemi Peres im Scheba-Krankenhaus, als er am Mittwochmorgen vom Tod seines Vaters berichtete. Der ehemalige Präsident hatte vor zwei Wochen einen schweren Schlaganfall erlitten und starb am frühen Morgen an den Folgen. Schimon Peres soll am Freitagvormittag auf dem Herzl-Berg in Jerusalem beigesetzt werden. Zur Zeremonie werden Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet, teilte das israelische Außenamt mit. "Er war ein Mann des Friedens", sagte Netanjahu in der Trauersitzung der Regierung.

Weltweit würdigten Politiker den Friedensnobelpreisträger. "Er war zutiefst davon überzeugt, dass Israelis und Palästinenser friedlich nebeneinander leben können", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Tod des früheren israelischen Präsidenten. Bundespräsident Joachim Gauck nannte Peres einen "treuen Freund" Deutschlands. Peres hatte im Dezember 1957 den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß (CSU) in Rott am Inn besucht und mit ihm die Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland eingeleitet - bevor es 1960 in New York zum ersten Treffen zwischen Kanzler Konrad Adenauer (CDU) und dem israelischen Staatsgründer und Präsidenten David Ben Gurion kam.

Peres wurde als Szymon Perski am 2. August 1923 im damaligen Ostpolen, dem heutigen Weißrussland, geboren. Der Sohn eines Holzhändlers wanderte im Alter von elf Jahren mit seiner Familie ins damalige Palästina aus. Er war Kibbuzgründer und Generalsekretär der Arbeiterjugend. Er gilt als Vater des israelischen Atomprogramms und war enger Mitarbeiter von Ben Gurion.

Von Beliebtheit überrascht


Peres war drei Mal Ministerpräsident und 18 Mal Minister und gehörte 48 Jahre der Knesset, dem israelischen Parlament, an. Dennoch galt Peres in Israel als ewiger Verlierer, da es ihm nie gelungen war, Wahlen zu gewinnen, bis er am 13. Juni 2007 zum Präsidenten gewählt wurde. Doch selbst dazu brauchte er einen zweiten Anlauf: Im Jahr 2000 war er Moshe Katzav unterlegen. Seine späte Popularität überraschte Peres: "Ich war immer umstritten", sagte er im September 2007 der israelischen Tageszeitung "Haaretz". "Plötzlich bin ich beliebt. Ich weiß nicht, wann ich falsch lag, damals oder heute."
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