Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Prag bedauert Vertreibung

Zum ersten Mal nahm ein Vertreter der tschechischen Regierung an einem Sudetendeutschen Tag teil. Der tschechische Kulturminister Daniel Herman sprach auf dem 67. Treffen in Nürnberg, das unter dem Motto "Dialog verpflichtet" stand. Bild: dpa
 
Zum 700. Geburtstag von Karl IV. - böhmischer König, römisch-deutscher Kaiser und Begründer der Stadt Karlsbad - treffen Besucher in Trachten aus dem 14. Jahrhundert zum 67. Sudetendeutschen Tag ein.

Einst wurden sie selbst vertrieben. Beim Treffen der Sudetendeutschen stehen die Themen Flucht und Flüchtlinge in Europa im Mittelpunkt. Und ein ungewöhnlicher Gast.

Nürnberg. (dpa/nt/az) Tschechiens Kulturminister Daniel Herman hat als erster offizieller Vertreter seiner Regierung bei einem Sudetendeutschen Tag für ein größeres Miteinander in Europa geworben. "Es ist eine Zukunftsangst in unsere Gesellschaft eingekehrt", sagte er. Mit Blick auf Terroristen und andere radikale Kräfte forderte er mehr Gemeinschaft in Sachen Europa.

"Es war an der Zeit"


Herman hielt seine Rede auf Deutsch. Die im Saal versammelten Vertriebenen sprach er gleich zu Beginn mit "Liebe Landsleute" an, was mit Beifall aufgenommen wurde. Er drückte sein tiefstes Bedauern über das aus, was bei der Vertreibung vor 70 Jahren geschehen sei. "Ich bin überzeugt, dass es wirklich an der Zeit war", sagte Herman mit Blick auf seinen Auftritt. Dieser ist in Tschechien alles andere als unumstritten. Der Vorsitzende der tschechischen Kommunisten (KSCM), Vojtech Filip, hatte Herman bereits im Vorfeld zum Rücktritt aufgerufen. Anders Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer: Er wertete den Besuch als "historisch". Vor zehn Jahren sei er noch undenkbar gewesen, betonte der CSU-Vorsitzende. Seehofer forderte mehr Austausch zum Erhalt der europäischen Idee. Europa stecke derzeit wegen der Flüchtlingskrise in einer großen Vertrauenskrise.

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt (CSU), rief zu einem größeren Miteinander auf. "Wir Sudetendeutsche haben dabei eine ganz besondere Brückenfunktion." Am Samstag hatte das Treffen mit der Verleihung des Karlspreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft an das liechtensteinische Staatsoberhaupt, Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein, begonnen.

Würde und Hoffnung


Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hielt am Sonntag eine programmatische Predigt, die sich mit den Wurzeln der europäischen Identität auseinandersetzte. Es sei unsere Pflicht, das Gesicht des Gottes zu zeigen, "der so menschlich ist, dass er selbst ein Mensch werden wollte, ein leidender Mensch, der mit uns mitleidend dem Leiden Würde und Hoffnung gibt. Wenn wir dies nicht tun, verleugnen wir nicht nur die Identität Europas, sondern versagen auch den anderen einen Dienst, auf den sie Anspruch haben". Voderholzer hob auch die guten Beziehungen zu den Gläubigen in Tschechien hervor. Beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl lobte Bundeskanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) deren Brauchtumsarbeit. Dass die eigenen Wurzeln in Zeiten der Zuwanderung nicht gefährdet würden, sei auch ein Verdienst der Siebenbürger Sachsen. Präsident Bernd Fabritius (CSU) hob deren Rolle im Europäischen Dialog hervor.

Tschechen und Bayern erinnern an Karl IV.Die erste bayerisch-tschechische Landesausstellung "Kaiser Karl IV. 1316-2016" ist eröffnet. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte den Mittelalter-Herrscher zu dessen 700. Geburtstag am Samstag in Prag als einen "großen Brückenbauer zwischen Bayern und Böhmen". "Wir halten sein Vermächtnis lebendig: Zusammenarbeit und Miteinander", betonte er. Tschechiens Regierungschef Bohuslav Sobotka nannte die Ausstellung ein "Flaggschiff" des Jubiläumsjahrs. Seehofer sprach von einer "Freude für Kopf und Herz". Bis zum 25. September sind in der Prager Wallenstein-Reithalle rund 250 Exponate zu sehen, die von Karl IV. (1316-1378) und seiner Zeit erzählen. Darunter sind wertvolle Leihgaben wie die Krone der Karlsbüste aus Aachen, mit der Karl IV. 1349 in der alten Reichsstadt gekrönt wurde. Im Oktober wird die Ausstellung nach Nürnberg weiterwandern. Landesausstellungen sind großangelegte Projekte, die vom Freistaat unterstützt werden. Die Karl-IV.-Schau wird als Zeichen der Annäherung gewertet, nachdem der Streit um die Vertreibung der Deutschen die Beziehungen lange überschattet hatte. Seehofer sagte: "Bayern und Tschechen, das kann man ohne Übertreibung sagen, sind heute wieder Freunde im Herzen Europas." (dpa)
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