Trotz Aufrufs zu Repsekt
Pöbelnde Demonstranten stören Einheitsfeier in Dresden

"Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können: für Hass und Gewalt. Wer so spricht, wer so handelt - der soll gerade an unserem Nationalfeiertag wissen: Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch." Zitat: Der Bundesratspräsident und sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bei den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden

Gespaltenes Dresden am Tag der Einheit: Während tausende Demonstranten einem Pegida-Aufruf folgen, ruft die Staatsspitze zu Respekt und Weltoffenheit auf. Bundestagspräsident Lammert hält eine Ruck-Rede gegen Unzufriedenheit und Schwarzmalerei.

Dresden. Pöbelnde Demonstranten haben die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit in Dresden gestört. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am Montag trotzdem von einem Tag der Freude und Dankbarkeit und rief zu gegenseitigem Respekt auf.

Die Kanzlerin, Bundespräsident Joachim Gauck und andere Gäste wurden vor dem Festakt von mehreren Hundert Demonstranten beschimpft und angepöbelt, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Sie riefen "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg". Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging. Nach dem Festakt nahmen 4000 bis 5000 Menschen an einem Pegida-Aufmarsch quer durch die Stadt teil. Zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten kam es dabei nicht. 2600 Polizisten waren im Einsatz. Merkel ging in einer kurzen Stellungnahme am Rande des Festaktes nicht direkt auf die Störer ein, rief aber zur Dialogbereitschaft auf. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung gebe es neue Probleme, sagte sie. "Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen und dass wir auch gute Lösungen finden."

"Mehr Selbstbewusstsein"


Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche fand die zentrale Feier in der Semperoper statt. Die Festrede hielt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der von den Deutschen vor allem mehr Selbstbewusstsein, Optimismus und Zufriedenheit mit dem Erreichten verlangte. "Das Paradies auf Erden ist hier nicht. Aber viele Menschen, die es verzweifelt suchen, vermuten es nirgendwo häufiger als in Deutschland", sagte er mit Blick auf die Flüchtlinge im Land. Lammert monierte, dass die Deutschen das Bild ihres eigenen Landes viel zu negativ zeichneten. "Wir können und dürfen durchaus etwas mehr Selbstbewusstsein und Optimismus zeigen." Deutschland könne sich "eine kleine Dosis Zufriedenheit" erlauben, wenn nicht sogar ein Glücksgefühl. Das heutige Deutschland sei sicher nicht perfekt, aber in besserer Verfassung als je zuvor.

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) warnte in seiner Rede vor den Gefahren des Populismus. "Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können für Hass und Gewalt", sagte der Bundesratspräsident. "Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch. Dem stellen wir uns alle entgegen."

Treffen mit Imam


Bereits am Sonntag sorgten ein Brandanschlag auf drei Polizeifahrzeuge sowie Pöbeleien gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) für Aufregung. Vor einer Woche hatten Unbekannte Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und das Kongresszentrum verübt, wo am Montag der Empfang des Bundespräsidenten stattfand. Merkel traf am Montag am Rande der Feierlichkeiten die Familie des Imams der Moschee.

Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können: für Hass und Gewalt. Wer so spricht, wer so handelt - der soll gerade an unserem Nationalfeiertag wissen: Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch.Der Bundesratspräsident und sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bei den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden
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