Trump trumpft auf

Milliardär Donald Trump will US-Präsident werden: Bei einer TV-Debatte stellte er die anderen republikanischen Bewerber in den Schatten. Bild: dpa

Viele dachten, Donald Trump würde vor der ersten TV-Debatte Kreide fressen. Von wegen. Er behauptet sogar, Politiker gekauft zu haben. Doch flotte Sprüche machen ihn noch lange nicht zum Favoriten. Und: Was will er eigentlich wirklich?

Donald Trump beginnt die Debatte mit einer Kampfansage, wie sie im US-Wahlkampf lange nicht mehr zu hören war. Ohne mit der Wimper zu zucken, macht er klar, dass er nicht versprechen könne, im Falle seiner Niederlage den künftigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen. Auch wolle er nicht garantieren, in einem solchen Fall nicht als unabhängiger Kandidat anzutreten.

"Ich werde dieses Versprechen zu diesem Zeitpunkt nicht abgeben", sagt er - und lächelt dabei cool. So viel Frechheit hatten ihm nicht mal seine größten Fans und größten Feinde zugetraut. Trump, der Egomane, der Hillary Clinton zum Wahlsieg verhilft?

Lächelnde Parade

Doch das ist nur der Auftakt. Wenige Minuten später landet der Multimilliardär seine zweite Salve. Diesmal will die Moderatorin ihn wegen frauenfeindlicher Äußerungen festnageln. Als "Schlampen" und "fette Schweine" habe er Frauen bezeichnet. Trump lächelt abermals cool und gibt sich nicht einmal die Mühe, darauf einzugehen. "Ich glaube, das große Problem, das dieses Land hat, ist die politische Korrektheit." Er habe für sowas einfach keine Zeit.

Wer gedacht hat, der Baulöwe und Entertainer Trump werde nach seinen teilweise rüden Sprüchen bei der ersten Republikanerdebatte den Ball flach halten und sich staatsmännisch geben, hat sich gründlich getäuscht. Trump ist einfach nicht zu fassen - Kritik gleitet an ihm ab wie an einer Teflonpfanne.

Neben dem Mann mit der Föhnfrisur wirken die anderen neun Bewerber zeitweise wie Statisten. Schon die Aufstellung auf der Bühne in Cleveland wirkt am Donnerstagabend symbolisch: Trump steht in der Mitte - er ist nun mal der Mann, der in Umfragen haushoch führt. Besonders schwer hat es Jeb Bush. Natürlich wird ihm wieder einmal die Frage nach der Familie gestellt. "Ich bin auf meinen Vater stolz und ich bin sicherlich auf meinen Bruder stolz." Dann zählt er etwas umständlich seine Bilanz als ehemaliger Gouverneur von Florida auf. Und er gesteht, dass er den Irakkrieg 2003 nicht begonnen hätte - es habe damals falsche Informationen der Geheimdienste gegeben. "Es war ein Fehler."

"I am my man" - Ich bin mein eigener Mann, sagt Bush. Wirklich stark und überzeugend klingt das nicht. Wie oft er diese Fragen wohl noch in diesem Vorwahlkampf beantworten muss?

Bush, der noch vor Wochen als Favorit gehandelt wurde, wird vom Baulöwen Trump, dessen Bewerbung die Medien noch vor Wochen belächelten, am stärksten gebeutelt. Ist es wahr, dass er Trump unlängst einen Trottel und einen Clown genannt habe, will der Moderator wissen? Nein, das stimme nicht. Reaktion Trump: "Er ist ein wahrer Gentleman." Trump lobt Bush - von oben herab.

Keine echten Patzer

Ansonsten: Keine echte Überraschung, kein wirklich scharfer Streit, niemandem unterläuft ein dicker Patzer. Wer Trump, das Enfant terrible, am stärksten angreift, ist der libertäre Senator Rand Paul. Er wirft Trump vor, er kaufe sich Politiker aller Couleur. Reaktion Trump: Ja. Er habe schon vielen, die hier auf der Bühne stünden, Geld gegeben. Auch Hillary Clinton - deshalb sei die auch zu seiner Hochzeit erschienen.

Ansonsten: Ted Cruz, der Senator aus Texas und Mann der ultrakonservativen Tea-Party, will wie andere auch, den Iran-Atomdeal kippen. Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey, liefert sich ein kurzes Gefecht mit Paul über die NSA-Überwachung. Mike Huckabee, der Baptisten-Pastor, der bereits 2008 als Bewerber scheiterte, peilt die christlichen Wähler an - und fordert ganz nebenbei eine harte Gangart gegen Teheran: "Wenn Dir jemand eine Pistole an den Kopf hält, solltest Du das bei Gott lieber ernst nehmen." Das sind alles gute Sprechblasen - wirklich Neues bringen sie nicht.

Eine akute Bedrohung

Doch über allem schwebt die große Frage: Meint es Trump wirklich ernst? Strebt der Mann tatsächlich ins Weiße Haus? Oder genießt er nur die große Show - Trump, der Egomane, der die Kameras liebt? Ist am Ende alles nur gut fürs Geschäft?

Tatsächlich ist die von Trump nicht ausgeschlossene Möglichkeit einer unabhängigen Kandidatur eine akute Bedrohung für jeden Kandidaten. Er würde dann dem Republikaner - wer immer es wird - im November 2016 die notwendigen Stimmen wegnehmen. Viele denken da an Ross Perot, der 1992 als Unabhängiger ins Rennen ging. Das kostete dem Republikaner George Bush Senior damals die zweite Amtszeit - und brachte den Demokraten Bill Clinton ins Weiße Haus.
Weitere Beiträge zu den Themen: Politik (7296)Cleveland (2)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.