Truppe wird aufgestockt
Kurswechsel in Afghanistan

Seit vier Jahren schrumpft die Bundeswehrtruppe in Afghanistan. Jetzt ist erst einmal Schluss mit dem Abzug. Weil ein Ende des Taliban-Terrors nicht in Sicht ist, reißt der Bundestag das Ruder herum. Die Truppe wird wieder aufgestockt.

Berlin. Der Bundestag hat den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan wegen der angespannten Sicherheitslage dort gestoppt. Die Bundeswehrtruppe am Hindukusch wird sogar wieder aufgestockt: Statt 850 werden nächstes Jahr bis zu 980 Soldaten die afghanischen Streitkräfte ausbilden und beraten.

79,7 Prozent der Parlamentarier stimmten der Ausweitung des Einsatzes am Donnerstag zu. Die Linke und die meisten Grünen waren allerdings dagegen. Ursprünglich war geplant, dass die internationalen Truppen sich schon 2016 in die Hauptstadt Kabul zurückziehen. Jetzt sollen insgesamt 12 000 Soldaten über das ganze Land verteilt bleiben. Ein Zurück zum 2014 beendeten Kampfeinsatz soll es aber nicht geben.

Einsatz im Mittelmeer


Der Bundestag beschloss ebenfalls mit großer Mehrheit die Fortsetzung des Anti-Terror-Einsatzes der Bundeswehr im Mittelmeer - obwohl die Regierung ihn nicht mehr für zeitgemäß hält. Bis zu 500 Soldaten sollen sich weiterhin an der vor 14 Jahren von der Nato beschlossenen Operation "Active Endeavour" beteiligen.

Der Afghanistan-Einsatz soll nach den Vorstellungen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nun auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Die CDU-Politikerin räumte ein, dass die Nato sich beim Abzug verschätzt hat. "Der ursprüngliche Plan war zu ehrgeizig, er war zu schnell", sagte sie. "Es hat die Taliban ermutigt." Der Abzug müsse sich nun alleine an der Lage und nicht mehr an starren Zeitlinien orientieren.

Die Linke lehnt den Einsatz grundsätzlich ab. "Der Nato-geführte Krieg in Afghanistan ist gescheitert", sagte Verteidigungsexpertin Christine Buchholz. Die Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger bemängelte, dass die Ziele des Einsatzes nicht klar genug definiert sind. "Diese Unklarheit birgt Gefahren für die Zukunft."

Waffen für die Kurden


Die Kurden im Nordirak erhalten unterdessen weitere Waffen aus Deutschland für ihren Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat. Von der Leyen will 200 Panzerabwehrraketen vom Typ "Milan", 4000 G36-Sturmgewehre und sechs Millionen Schuss Munition liefern. Zu der Lieferung zählen fünf gepanzerte Fahrzeuge vom Typ "Dingo".
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