Türkei
42 Journalisten verhaftet

Istanbul. Bei den Massenfestnahmen nach dem Putschversuch in der Türkei gehen die Behörden nun auch gegen Dutzende Journalisten vor. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft ordnete am Montag die Festnahme von 42 Journalisten an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, die Ermittlungen richteten sich gegen Medien aus dem Netz des Predigers Fethullah Gülen. Die Regierung macht Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Anadolu meldete, zunächst seien fünf Journalisten festgenommen worden. Der Deutsche Journalisten-Verband nannte die Maßnahmen "nicht hinnehmbar". Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, den Staat von Gülen-Anhängern "säubern" zu wollen. Seit Donnerstag gilt ein 90-tägiger Ausnahmezustand, der Erdogan ermächtigt, per Dekret zu regieren.

Auch in anderen Bereichen dauerten die Massenfestnahmen an. Seit dem Putschversuch sind nach offiziellen Angaben mehr als 13 000 Verdächtige festgenommen worden, knapp 6000 sitzen in Untersuchungshaft. Mehr als 45 000 Staatsbedienstete wurden suspendiert. Zudem wurde 21 000 Lehrern an Privatschulen die Lizenz entzogen. Die teilstaatliche Turkish Airlines entließ 211 Mitarbeiter mit mutmaßlichen Gülen-Verbindungen. Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte an, er werde sein Ministerium "säubern".

Erdogan sucht zudem den Schulterschluss mit der Opposition. Er sprach mit Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu von der Mitte-Links-Partei CHP, Ministerpräsident und AKP-Chef Binali Yildirim sowie dem Chef der ultrarechten MHP, Devlet Bahceli. Keine Einladung erhielten die Vorsitzenden der pro-kurdischen HDP, der drittgrößten Fraktion. Diese hatten den Putschversuch verurteilt.
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