Türkei "Hand in Hand" mit Deutschland
Regierungschef Davutoglu lobt Merkel, will aber mehr Geld von der EU

Angela Merkel und Ahmet Davutoglu. Bild: dpa

Berlin/Davos. Trotz des ungebremsten Flüchtlingsandrangs und massiver Koalitionskonflikte setzt Kanzlerin Angela Merkel unbeirrt auf ihren "gesamteuropäischen Ansatz" - und auf die Hilfe der Türkei. Nach den ersten deutsch-türkischen Regierungskonsultationen in Berlin bescheinigte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Freitag Merkel große Menschlichkeit und versicherte ihr die Solidarität seines Landes in der Flüchtlingskrise. Ankara erwartet von der EU allerdings mehr Geld als die bislang versprochenen drei Milliarden Euro.

Merkel bekräftigte nach den Konsultationen, sie sei "innerlich sehr davon überzeugt", dass man bei den Fluchtursachen ansetzen müsse und dass es ein großes Interesse der EU gebe, den Schengen-Raum mit seinem freien Reiseverkehr aufrechtzuerhalten. "Einzelne Lösungen, jeder Staat für sich, werden uns da nicht weiterhelfen, sondern wir brauchen einen gesamteuropäischen Ansatz."

Auf die Frage, ob sie sich damit in der EU einsam fühle, sagte die Kanzlerin: "Den Eindruck habe ich nicht." Davutoglu sagte, Merkel habe mit ihrer Haltung auch ein Bewusstsein geschaffen in der Flüchtlingskrise. "Weder Frau Merkel noch Deutschland ist in diesem Zusammenhang allein. ... In dieser kritischen Phase gehen wir Hand in Hand mit Deutschland." Die bereits zugesagten drei Milliarden Euro sollen eingesetzt werden, um die Lebensbedingungen von inzwischen 2,5 Millionen Flüchtlingen aus Syrien in der Türkei zu verbessern. Zum EU-Gipfel am 18. Februar sollten Projekte definiert werden.

Bereits vor den Berliner Gesprächen hatte Davutoglu erklärt, niemand könne von der Türkei erwarten, dass sie die gesamte Last alleine trage. Die EU ist sich allerdings noch nicht einig, wer welchen Anteil von den Zusagen an Ankara übernimmt. Nach dem Kentern von zwei Booten kamen in der Ägäis erneut mindestens 42 Menschen ums Leben.
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