Türken zögern

Die Lage für die Kurden in der syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane wird immer bedrohlicher. IS-Kämpfer rücken vor. Am Ortsrand flattert bereits die schwarze Flagge der Dschihadisten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rückt immer näher an die seit Wochen umkämpfte kurdisch-syrische Stadt Kobane heran. Erstmals hissten die Dschihadisten nach kurdischen Angaben ihre schwarze Fahne an einem mehrstöckigen verlassenen Wohngebäude am östlichen Rand der Ortschaft. Während der Gefechte schlug erneut eine Mörsergranate in einem Haus im Nachbarland ein. Die türkische Armee griff trotz eines parlamentarischen Einsatzmandats jedoch auch am Montag nicht in die Kämpfe ein.

In der Türkei wurde bei dem Granateneinschlag niemand verletzt, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, türkische Behörden hätten wegen des wiederholten Granatenbeschusses inzwischen die Evakuierung von insgesamt drei Grenzdörfern angeordnet. Außerdem seien die Schulen in der Umgebung geschlossen worden. Türkische Panzer und Soldaten blieben weiterhin an der Grenze stationiert, schritten aber nicht ein.

Die türkische Regierung sagte den Kurden in Kobane zwar Unterstützung zu. Einen schnellen Einsatz von Bodentruppen gegen die Terrormiliz IS in der umkämpften syrischen Stadt stellte Ankara aber nicht in Aussicht. "Wir werden alles nur Mögliche unternehmen, um den Menschen in Kobane zu helfen", sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem US-Sender CNN. "Bodentruppen zu schicken ist aber natürlich eine andere Entscheidung." Wenn man in Kobane eingreife, müsse man in ganz Syrien intervenieren.

Der syrische Kurdenpolitiker Salih Muslim warf der Internationalen Gemeinschaft Versagen vor. "Die Welt schweigt" angesichts des drohenden Massakers, kritisierte der Ko-Präsident der syrischen Kurden-Partei PYD nach Angaben der kurdischen Agentur Firat.
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