Türkische Regierung verdächtigt IS-Terrormiliz
Wieder Istanbul: Drei Attentäter reißen 41 Menschen in den Tod

Bild: dpa

Die Angehörigen sind fassungslos. Selbstmordattentäter haben auf dem Atatürk-Airport mindestens 41 Menschen getötet. Es ist bereits der vierte schwere Anschlag in Istanbul seit Jahresbeginn. Die türkische Regierung verdächtigt die Terrormiliz IS.

Istanbul. Bei dem verheerenden Terroranschlag auf den Atatürk-Flughafen in der türkischen Metropole Istanbul sind mindestens 41 Menschen getötet worden, darunter 13 Ausländer. Unter den 239 Verletzten ist nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt auch eine Deutsche. 41 Verletzte lagen am Nachmittag auf der Intensivstation. Das Istanbuler Gouverneursamt teilte am Mittwoch mit, drei Selbstmordattentäter hätten auf den größten Flughafen der Türkei am Vorabend 41 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Regierung verdächtigte die Terrormiliz IS.

Tourismus in der Krise


Die Bluttat zum Beginn der Feriensaison in Europa dürfte die Krise der Tourismusbranche in der Türkei verschärfen. Erst am Dienstag war für Mai ein Rückgang der Besucherzahlen um 34,7 Prozent gemeldet worden, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Aus Regierungskreisen in Ankara hieß es, bei den getöteten Ausländern handele es sich um fünf Saudis, zwei Iraker, einen Tunesier, einen Usbeken, einen Chinesen, einen Iraner, einen Ukrainer und einen Jordanier. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, es lägen weiterhin keine Hinweise vor, dass unter den Toten Deutsche seien. Vollständige Gewissheit gebe es hier aber noch nicht.

Die Nationalität der Angreifer blieb zunächst unklar. Die türkische Polizei fahndete nach den Hintermännern. Zunächst übernahm keine Gruppierung die Verantwortung. Der IS hat sich aber noch zu keinem Anschlag in der Türkei bekannt. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte bei einem Besuch am Flughafen, erste Hinweise deuteten auf den IS hin.

Ein Selbstmordattentäter, der für Dutzende Tote verantwortlich ist, ist drang nach Angaben türkischer Regierungskreise in die Abflughalle des Internationalen Terminals ein. Der erste Attentäter habe sich an der Sicherheitskontrolle im Eingangsbereich in die Luft gesprengt und damit Chaos ausgelöst. Der zweite Attentäter habe so ins Gebäude gelangen können und seinen Sprengsatz in der Abflughalle im ersten Stock gezündet. Ein Dritter habe sich anschließend vor dem Gebäude in die Luft gesprengt. Mutmaßlich habe er fliehende Menschen treffen wollen. Zunächst hatte es aus Regierungskreisen geheißen, kein Attentäter habe die Sicherheitsschleusen passiert.

Über 340 Flüge gestrichen


Der Luftverkehr auf dem Flughafen wurde bereits nach einigen Stunden wieder aufgenommen. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. Am Mittwoch gab es auch wieder Flüge aus Deutschland nach Istanbul. Der Angriff sorgte dennoch für massives Chaos im Flugverkehr. Turkish Airlines strich mehr als 340 Flüge. In der Nacht waren etliche Reisende vor dem Airport gestrandet. Der Atatürk-Flughafen hat in etwa ein Passagieraufkommen wie der Airport Frankfurt/Main.

Erdogan rief die Welt und besonders westliche Staaten zum entschlossenen Handeln gegen die Terrorbedrohung auf. "Jeder soll wissen, dass die Terrororganisationen nicht unterscheiden zwischen Istanbul und London, Ankara und Berlin, Izmir und Chicago, Antalya und Rom." Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich entsetzt. "Wir stehen an der Seite der Türkei."
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