TV-Duell Clinton gegen Trump
Fakten und Zahlen, Sticheleien und Seitenhiebe

Der republikanische Präsidentschaftskandidat, der Unternehmer Donald Trump (links), und die demokratische Kandidatin, Ex-Außenministerin Hillary Clinton, bei ihrem ersten TV-Duell am Montagabend (Ortszeit) in der Hofstra-Universität in Hempstead, New York. Clinton reagierte auf die Attacken ihres Gegners meist mit einem Lächeln, Trump hingegen wirkte oft nervös und gereizt. Bild: dpa

Lange hat Amerika auf diesen Moment hingefiebert. Der erste Schlagabtausch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump gerät zum Festspiel für die Demokratin. Ein Wendepunkt im Wahlkampf?

Hempstead. Sie ist zurück, mit voller Wucht. Die Staatsfrau, da steht sie, als wäre sie nie weg gewesen. Hillary Clinton schießt scharf, sie teilt aus, sie trumpft mit Fakten und Zahlen und ruht bei alldem so sehr in sich, als wäre es nie anders gewesen. Als hätte es all die Patzer der vergangenen Wochen nie gegeben. Ihr Konkurrent macht hingegen kein gutes Bild. Donald Trump findet einen guten Einstieg, dann wirkt er nervös, hält sich oft am Wasserglas fest, unterbricht Clinton immer wieder, wirkt belehrend, ohne dass er etwas zu sagen hätte. Die Demokratin lächelt, wenn er spricht. Der Republikaner verzieht das Gesicht, wenn sie an der Reihe ist. Sie bleibt ruhig. Am Ende hält der 70-Jährige ihr vor, sie habe nicht die Durchhaltekraft, um Präsidentin zu sein.

Anfangs alles freundlich


Tagelang hat Amerika auf diese Debatte hingefiebert, auf diesen ersten Schlagabtausch beider Kandidaten, die das Land so polarisieren, wie vielleicht noch nie zuvor in der Geschichte. Beide reichen sich zu Beginn die Hände, das ist 2016 keine Selbstverständlichkeit. Der Ton ist anfangs für wenige Augenblicke erstaunlich zahm. Trump sagt sogar, er stimme mit Clinton überein, was Kinderbetreuung und anderes angehe - nur nicht bei den Zahlen.

Aber die 68-Jährige mag dieses Spiel nicht mitspielen. Sie will die Regeln bestimmen. Das macht sie ziemlich schnell deutlich, indem sie Trumps wirtschaftliche Misserfolge aufzählt, die vielen Insolvenzen, die Steuererklärung, die er noch immer nicht veröffentlicht hat. Sie nennt ihn den "König der Schulden", spekuliert darüber, dass er gar nicht so reich sei, wie er es vorgebe. Es sind viele kleine Nadelstiche und sie treffen Trump sichtbar unter die Haut. Als er ihr ihre wechselnden Meinungen zu internationalen Handelsabkommen vorhält, sagt sie schlicht: "Donald, ich weiß, du lebst in deiner eigenen Realität." Es ist immer der Vorname, mit dem sie ihn anspricht.

Trump flüchtet sich in seine üblichen Übertreibungen, schwärmt von dem Hotel, das er gerade in Washington in Laufweite zum Weißen Haus errichtet hat. Mit seinen politischen Konzepten bleibt er weiter vage, seine Ideen zum Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) gehen nicht über die üblichen Bekenntnisse zur nötigen Härte hinaus. Die Mauer zu Mexiko, ein roter Faden seines ganzen Wahlkampfs, erwähnt er mit keinem Wort. Perfekt hatte Trumps Team das Spiel mit den Erwartungen im Vorfeld auf die Spitze getrieben. Schicht um Schicht zeichneten sie das Bild eines Außenseiters, der keine Zeit mit intensiver Debattenvorbereitung verschwendet. Die Erwartungen an ihn waren dermaßen niedrig, dass es ihm schon als Erfolg ausgelegt wurde, wenn er auf seine üblichen Ausfälle verzichten würde.

"Ich habe mich vorbereitet"


Die Messlatte für Clinton war ungleich höher. Sie, die Erfahrene, musste jedes Detail kennen, durfte aber nicht zu abgehoben wirken. Sie wischt das alles weg. "Ich glaube, Donald hat mich gerade dafür kritisiert, dass ich mich auf diese Debatte vorbereitet habe. Ja, ich habe mich vorbereitet. Und weißt du, worauf ich noch vorbereitet bin? Ich bin dafür vorbereitet, Präsidentin zu sein."

Clintons Bild von Amerikas Gesellschaft ist voller Optimismus. Trump wählt die negative Zustandsbeschreibung, auf die er auch im Wahlkampf immer setzt: die Wirtschaft am Boden, Millionen von Arbeitsplätzen, die ins Ausland abwanderten. Beide Kandidaten umwerben vor allem die Wählerschichten, die Teil ihrer Basis sind: Trump setzt auf die weiße Arbeiterschaft, Clinton auf Frauen und Minderheiten.

Die "New York Times" schreibt am Tag danach: "Clinton schien langsam aber stetig zu lernen, wie sie ihn in Echtzeit angreifen und bezwingen kann." Das "Wall Street Journal" hingegen findet, Trump habe sich als "Kandidat des Wandels" präsentiert. Er sei ganz der aggressive Unternehmer gewesen, der es als kluge Taktik verkaufe, im Jahr 2006 kaum Steuern gezahlt zu haben.

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Weitere Bilder und ein Video im Onetz:

www.onetz.de/1699254

Donald, ich weiß, du lebst in deiner eigenen Realität.Hillary Clinton zu ihrem Kokurrenten Donald Trump


ZitateDie US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump haben sich am Montag (Ortszeit) im ersten von bis zu drei TV-Duellen gegenübergestanden. Die wichtigsten Zitate des Abends:

"Ein Mann, der von einem Tweet provoziert wird, sollte nicht in der Nähe der nuklearen Codes sein."

Clinton über Trump

"Ich habe einen Fehler gemacht, private Konten genutzt zu haben."

Clinton über ihre E-Mail-Affäre

"Irgendetwas versteckt er."

Clinton über Trumps bislang unveröffentlichte Steuererklärung

"Ich werde meine Steuererklärung veröffentlichen. Meine Anwälte raten mir ab, aber ich werde sie freigeben."

Trumps Reaktion

"Ich habe eine viel bessere Urteilsfähigkeit als sie. Ich habe auch ein viel besseres Naturell als sie. Mein größter Vorteil ist mein Temperament. Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen."

Trump über seine Vorzüge

"Typisch Politiker: Nur reden, nicht handeln."

Trump über Clintons Pläne, die Steuern zu reduzieren

"Die größte Bedrohung der Welt ist die nukleare, nicht, wie du und dein Präsident es sehen, der Klimawandel."

Trumps Sicht der Weltlage

"Wir müssen Recht und Ordnung zurückbringen. (...) Illegale Migranten haben Waffen, und sie erschießen Leute."

Trump über Zuwanderer

"Wir müssen die Waffen aus den Händen derer wegnehmen, die sie nicht tragen sollten."

Clinton über Waffengesetze

"Am Ende des Abends werde ich für alles verantwortlich gemacht worden sein."

Clinton scherzhaft über die Vorwürfe von Trump

"Wir müssen unsere Luftschläge gegen den Islamischen Staat verstärken. ... Ich denke, wir müssen Bagdadi fassen."

Clinton über den Kampf gegen den Terror

"Ich möchte, dass Du glücklich bist. Das ist sehr wichtig für mich."

Trump zu Clinton (dpa)



Clinton zufrieden

Nach dem Duell: Trump hatte „keine gute Nacht“

White Plains. Hillary Clinton hat sich hochzufrieden über die erste TV-Debatte mit Donald Trump geäußert. "Die Menschen konnten sich selber ein Bild machen von seinem Benehmen, seinem Naturell, seinem Verhalten", sagte die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten am Dienstag an Bord eines Flugzeugs in einer kurzen Pressebegegnung. "Ich dachte ein paar Mal, was er doch für nachweisbare Unwahrheiten verbreitet", sagte Clinton über Donald Trump. Es gehe um den "härtesten Job der Welt", die Zuschauer hätten ganz klare Unterschiede der Kandidaten gesehen. Trump habe auf viele offene Fragen der Tagespolitik keine Antworten gegeben. "Er macht Amerika schlecht, wann immer er kann. So ist Amerika nicht!", sagte Clinton. Mit Blick auf Trumps Klagen über ein kaputtes Mikrofon sagte die 68-Jährige lächelnd: "Jeder, der sich über ein schlechtes Mikrofon beklagt, hatte keine gute Nacht."Am Morgen danach äußerte sich Trump zurückhaltend über Moderator Lester Holt, der ihm zum Ende hin viele kritische Fragen gestellt habe. Bei Fox News benotete Trump den Auftritt Clintons mit einer Drei Plus, sich selber wolle er nicht benoten, sagte er. Er habe aber sehr viel positive Reaktionen erhalten.
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