Überraschung in Wien
Österreichs Kanzler wirft das Handtuch

Knapp acht Jahre stand Werner Faymann an der Spitze der Regierung in Wien. Mit seinem Rücktritt reagierte er auf rapide sinkende Umfragewerte für die SPÖ und den Aufstieg der Rechtspopulisten. Bild: dpa

Völlig überraschend ist kurz vor der Entscheidung über den neuen Bundespräsidenten der österreichische Kanzler Werner Faymann zurückgetreten. Der Schritt hat erhebliche Folgen für die Sozialdemokraten und die schwächelnde Regierungskoalition.

Wien. Österreichs Bundeskanzler und SPÖ-Parteichef Werner Faymann (56) ist nach innerparteilicher Kritik überraschend von allen Ämtern zurückgetreten und hat damit den Weg für einen Neuanfang freigemacht. Dieses Land brauche einen Bundeskanzler, hinter dem die Partei stehe, sagte Faymann am Montag. "Die Regierung braucht einen Neustart mit Kraft. Wer diesen Rückhalt nicht hat, kann diese Aufgabe nicht leisten."

Auslöser des Schritts war das SPÖ-Wahldebakel bei der ersten Runde der Bundespräsidentenwahl. Dort hatte der Kandidat der Sozialdemokraten mit 11,3 Prozent die Stichwahl klar verpasst.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) übernahm interimistisch die Regierungsgeschäfte. Als mögliche Kandidaten an der Spitze der Regierung werden in der SPÖ der Bahn-Manager Christian Kern (50) und der Medien-Manager Gerhard Zeiler (60) genannt. Auch der Name der ehemaligen Siemens-Managerin Brigitte Ederer (60) fällt in diesem Zusammenhang. Die SPÖ will am 25. Juni bei einem Bundesparteitag die personellen Weichen für die Zukunft stellen. Beide Ämter sollen laut Interims-Parteichef Michael Häupl nicht getrennt werden.

Ob der Kanzler-Rücktritt auch vorzeitige Neuwahlen bedeutet, blieb zunächst unklar. Die rechte FPÖ hofft auf Neuwahlen. Ihr Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Norbert Hofer, hat bei der Stichwahl am 22. Mai sehr gute Chancen, in die Hofburg einzuziehen. Die rot-schwarze Koalition, die seit 2013 regiert, steht seit langem massiv unter Druck. (Seite 4)
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