Übungsdorf der US-Armee im Übungsplatz Hohenfels: Training für Versorgung von Verletzten
Der Soldat als Ersthelfer Bravo

Die ärztliche Versorgung ist Aufgabe des Sanitätsunterstützungszentrums und der Sanitätseinsatzstaffel.

Ein Übungsdorf der US-Armee im Übungsplatz Hohenfels. Eine lärmende Menschenmenge bedrängt den Bürgermeister. Plötzlich eine Explosion. Verletzte schreien nach Hilfe. Es nähert sich ein Zug mit gepanzerten Radfahrzeugen der Bundeswehr.

Wie es weitergeht? Soldaten bergen, versorgen und transportieren Verletzte zu einem Hubschrauber. Dieser nimmt sie auf. Und wenige Minuten später schon versorgen sie Ärzte und Sanitäter in einem kleinen Feldlazarett.

Nur wenige Sanitäter

In diese Situation können Soldaten des Kümmersbrucker Logistikbataillons 472 bei jedem Auslandseinsatz kommen, in Afghanistan, im Kosovo. Die Zahl klassischer Sanitäter bei der Truppe ist in der neuen Heeresstruktur relativ klein. Deshalb müssen Einsatzkräfte der Bundeswehr in Krisengebieten mehr können, als nur das kleine Verbandspäckchen aus der Seitentasche zu holen und einen Notverband anzulegen. Tritt ein Notfall ein, fehlt oft die Infrastruktur zur Versorgung der Verletzten. Das heißt: Es kann nicht auf die klassischen Rettungskräfte zugegriffen werden. Die Truppe bildet deshalb, wie bei der mehrtägigen Übung in Hohenfels, eigene EH-B aus (auf Zivildeutsch: Ersthelfer Bravo).

Laut Oberstleutnant Matthias Kampf, Kommandeur der Gärmersdorfer Logistiker, geht sein Bataillon mit diesem multinationalen Lehrgang neue Wege der Weiterbildung. Eingebunden sind Sanitätskräfte der Bundeswehr, US-Armee und zivile Dienstleister. Sie setzen neue Maßstäbe in der gemeinsamen Ausbildung. Das von Bundeswehr und US-Armee gemeinsam entwickelte Aus- und Weiterbildungskonzept "Full Immersion EH-B" soll laut Kampf die Lehrgangsteilnehmer befähigen, einen Verwundeten in einem abgelegenen oder auch feindlichen Umfeld zu versorgen.

Die bereits erworbenen Befähigungen als Ersthelfer B, von denen das Logistikbataillon über rund 25 Mann verfügt, sollen eine Woche lang in Hohenfels aufgefrischt werden. Und zwar realitäts- und praxisnah, in Übungsdörfern, in denen nicht nur Häuserkampf trainiert, sondern auch die militärische Vorbereitung auf die Besonderheiten anderer Kulturwelten ermöglicht wird.

Explosion im Gewühl

Bei dem fünftägigen Training, das heute endet, treffen die Logistiker zunächst auf eine aufgebrachte Menschenmenge, die die Absetzung des Dorfbürgermeisters fordert. In dem Handgemenge kommt es zu einer Explosion. Entlang der Dorfstraße liegen realistisch präparierte Verletzte. Unter ihnen auch zwei Briten, die Arme und Beine verloren haben - eine makabre Szene.

Ein Zug des Logistikbataillons, unterwegs mit gepanzerten Radfahrzeugen, nähert sich dem Ort des Anschlags. Die Soldaten müssen an ihre Eigensicherung denken und richtig entscheiden, in welcher Reihenfolge die laut um Hilfe rufenden Verletzten geborgen und abtransportiert werden. Eine mit Kamera ausgestattete Drohne und zivile Schiedsrichter dokumentieren das Vorgehen der Ersthelfer. Auf einer außerhalb des Gefahrenbereichs liegenden Wiese fordern die Ersthelfer Rettungshubschrauber für die Schwerstverletzten an. Eine Bell UH 1 fliegt sie in ein Feldlager, wo Angehörige des Sanitätsunterstützungszentrums Amberg und die angeschlossene Sanitätseinsatzstaffel die Verletzten erwarten.
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