UN-Experten warnen
Armut in Industriestaaten wächst

Genf. In Europa nimmt nach Angaben von UN-Experten die Armut als Folge von Arbeitslosigkeit und nur geringfügig bezahlter Beschäftigung weiter zu. "In vielen Industrieländern können Sozialleistungen einfach nicht mehr die Einkommenslücke erwerbsarmer Menschen schließen", sagte Guy Ryder, Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), am Mittwoch in Genf. Hier wurde der jüngste Welt-Arbeitsmarktbericht der UN-Sonderorganisation vorgestellt. Seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 gebe es in Europa immer weniger gesicherte Vollzeitstellen und mehr sogenannte Erwerbsarme.

Der Studie zufolge gelten im Durchschnitt 17,2 Prozent der EU-Bevölkerung als arm - gemessen am mittleren Einkommen ihrer Länder. In Deutschland seien es 16 Prozent. Als arm wird dabei angesehen, wer einschließlich staatlicher Hilfeleistungen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Landes auskommen muss. Demnach wäre in Deutschland jeder Zehnte trotz Arbeit als arm anzusehen, erklärte die ILO. Zudem seien Arbeitslose in Deutschland im Vergleich zum EU-Durchschnitt am ehesten gefährdet, in Armut abzurutschen. Über 67 Prozent von ihnen seien trotz staatlicher Leistungen als arm anzusehen. Am besten schneide in dieser Hinsicht Dänemark ab, wo laut ILO knapp 28 Prozent der Erwerbslosen als arm gelten würden. Die Organisation stützt sich auf die Auswertung von Daten des statistischen Amtes der EU (Eurostat). Bei der Bewertung der Entwicklung in Deutschland wurde allerdings die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro noch nicht berücksichtigt. Wahrscheinlich werde der Mindestlohn helfen, Armut zu verringern, sagt Studienautor Raymond Torres. Zugleich erklärte er: "In Deutschland ist die Arbeitslosenrate sehr tief, dort sind vor allem die am wenigsten Gebildeten arbeitslos."
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