Unicef: Nachwuchs zahlt den höchsten Preis
Euro-Krise stürzt Kinder in Armut

Die Folgen der Wirtschaftskrise haben die Kinderarmut in Industriestaaten verschlimmert. In den 41 wohlhabendsten Ländern der Welt sind seit Beginn der Krise 2008 zusätzlich etwa 2,6 Millionen Kinder unter die Armutsgrenze gerutscht. Das geht aus einem am Dienstag in Rom vorgestellten Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor.

Bei der Unicef-Untersuchung zur Kinderarmut fällt auf, dass vor allem Länder in Südeuropa, im Baltikum, aber auch Island und Irland betroffen sind. "Viele Industrieländer haben bei den Haushaltseinkommen einen großen Sprung zurück gemacht", erklärte Unicef-Experte Jeffrey O'Malley. Ungleichheit sei ein weiteres großes Problem: "Während der Krise sind Arme noch ärmer geworden", erläuterte er.

In mehr als der Hälfte der untersuchten Länder hat die Kinderarmut seit Beginn der Krise zugenommen, in besonders betroffenen Staaten wie Irland, Griechenland, Kroatien, Lettland und Island sogar um mehr als 50 Prozent. Deutschland liegt mit einem geringen Rückgang im Mittelfeld der untersuchten Staaten. Die junge Generation sei eine der Gruppen, die den höchsten Preis bezahlt habe, erklärte Goran Holmqvist vom Unicef-Forschungsinstitut Innocenti in Florenz.

Armutsgefährdung spielt auch in Deutschland eine Rolle: Fast jeder Sechste ist hierzulande von Armut bedroht. Das sind rund 13 Millionen Menschen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag für das Jahr 2013 mitteilte. Mit 16,1 Prozent war der Anteil der armutsgefährdeten Menschen in der Bundesrepublik damit genauso hoch wie 2012. Im ersten Jahr der EU-weiten Erhebung (2008) lag er noch bei 15,2 Prozent.

Armut beginnt nach der EU-Statistik in Deutschland bei einem Haushaltsnettoeinkommen von 979 Euro im Monat für einen Single und bei 2056 Euro für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung seines Landes zur Verfügung hat, gilt nach der Definition als arm.
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