Urteil im Prozess um Schläge und Tritte gegen OTV-Moderator Thomas Bärthlein
Das Unheil kommen gesehen

Nebenkläger und Opfer Thomas Bärthlein (links) mit seinem Rechtsanwalt Dieter Spieß. "Es hätte vieles verhindert werden können. Mir hätte es Schmerzen erspart und uns allen diesen Prozess", sagte der OTV-Moderator und CSU-Stadtrat. Bild: Steinbacher
Amberg. (hwo) Der Täter muss in die Psychiatrie. Im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit hatte er den Stadtrat und OTV-Moderator Thomas Bärthlein (51) mit lebensgefährlichen Tritten und Hieben schwer verletzt. Im Prozess zeigte sich, dass vor dem Übergriff eine Warnung an die Behörden ergangen war.

Er stand am Ortsrand von Traßlberg auf einem Radweg, schrie seinen Frust laut heraus und suchte ein Opfer. Es kam in Gestalt von Thomas Bärthlein. "Doch es hätte jeder sein können", sagte Schwurgerichts-Vorsitzende Roswitha Stöber in ihrer Urteilsbegründung. Dass der 30-Jährige nun in die Psychiatrie muss, ist eine Konsequenz, die sich aus seinem gewalttätigen Handeln in Verbindung mit der bei ihm vorhandenen paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie ergab.

Diese Erkrankung hatte die Fachärztin Dr. Anna Wunder-Lippert festgestellt. Der Erlanger Rechtsmediziner Professor Stefan Seidl attestierte dem Täter eine "lebensgefährliche Vorgehensweise". Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages hörten die Richter von einer Bediensteten der Amberger Jura-Werkstätten, dass es bereits im Januar 2014 sicht- und spürbare Wesensveränderungen bei dem aus Traßlberg stammenden Mann gegeben habe.

Er arbeitete seinerzeit im Außenbereich, wurde dort plötzlich aggressiv. "Wir sahen, dass von ihm Gefahr ausging", sagte die Frau und fügte hinzu, man habe die Polizei informiert und auch die Betreuungsbehörde. Doch ihnen waren wohl die Hände gebunden. Denn wer nichts anstellt, kann so einfach nicht in die geschlossene Anstalt kommen.

Er hörte Stimmen

Was ließ die Wesensveränderungen erkennen? Der 30-Jährige redete von "3000 Shaolin-Kämpfern", die zu seiner Verteidigung kommen würden. Er befand sich offenbar in einer Welt der von ihm geschätzten PC-Spiele mit gewalttätigem Inhalt, hörte Stimmen. Als er Thomas Bärthlein vom Rad geschlagen und malträtiert hatte, kam der Mann ins Regensburger Bezirkskrankenhaus. Dort hielt ihn ein Arzt für "unauffällig". Dieser Begutachtung will Thomas Bärthlein jetzt unter Einschaltung des Bezirkstages nachgehen. Dem Schwurgericht sagte er kritisch: "Es hätte vieles verhindert werden können. Mir hätte es Schmerzen erspart und uns allen diesen Prozess."

"Nicht zum Depperltest"

In ihren Plädoyers waren sich Staatsanwältin Franziska Bücherl, Nebenklagevertreter Dieter Spieß und Verteidiger Michael Haizmann einig. Der Beschuldigte, so sagten sie, müsse in die Forensik. Dort kommt er nun auch hin. Der 30-Jährige sah das ein und akzeptierte die Entscheidung. Kurz zuvor hatte er erzählt, wie ihm seinerzeit Ladungen zur amtlichen Untersuchung zugingen. "Die", sagte der Beschuldigte, "habe ich weggeworfen, weil ich nicht zum Depperltest wollte."
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