US-Drohne am Truppenübungsplatz abgestürzt
Bürgermeister kritisiert Informationspolitik

Bild: Hartl
Hohenfels. (dpa/lby) Kritiker hatten es befürchtet. Nun trat der Fall ein: Eine Drohne der US-Armee ist abgestürzt - allerdings nicht über bewohntem Gebiet, sondern über dem Übungsplatz Hohenfels. Nun gibt es Kritik an der Informationspolitik der Streitkräfte.

Keine Verletzten und keine Schäden, außer an der Drohne selbst. Lieutenant Colonel Brian Carlin, Pressesprecher des Joint Multinational Training Command (JMTC) in Grafenwöhr, bestätigte am Mittwoch den Absturz einer Drohne vom Typ "Shadow" über dem Truppenübungsplatz Hohenfels (Kreis Neumarkt).

Das unbewaffnete Fluggerät sei am Nachmittag des 4. November gegen 16 Uhr in ein Waldstück gefallen. Suchmannschaften hätten die ferngesteuerte "Shadow" unmittelbar danach gefunden. Am Dienstagabend hatte es zunächst geheißen, die Suche habe mehrere Tage gedauert. Warum es zu dem Unfall kam, ist weiter unklar. Die Untersuchungen der US-Armee laufen, hieß es. Klar ist hingegen, dass die Drohne, die der ersten Brigade der ersten US-Kavalleriedivision ("Ironhorse") aus Fort Hood (Texas) angehört, während einer Militärübung des Manövers "Combined Resolve III" abstürzte.

Dem Vernehmen nach soll die Maschine, die zu einem Aufklärungsflug eingesetzt und nicht bewaffnet war, in der Nähe der ehemaligen Ortschaft Machendorf niedergegangen sein. Schäden sind nach Angaben der US-Armee ausschließlich an der Drohne selbst entstanden. Wie groß diese sind, ist derzeit noch nicht bekannt, so Carlin. Gefahr für Soldaten und Zivilisten habe zu keiner Zeit bestanden, hieß es. Die Drohne habe den Luftraum über dem Übungsplatz nicht verlassen. Seit längerem regt sich Unmut über den Einsatz der unbemannten Fluggeräte der US-Armee. Kritiker sehen sich nun bestätigt. Der Unfall zeige, dass Drohnen nicht hundertprozentig beherrschbar seien, sagte der Bürgermeister von Schmidmühlen, Peter Braun (CSU), dem Bayerischen Rundfunk (BR). Er und seine Kollegen hatten bei einem Bürgermeistertreffen von dem Unfall erfahren.

Zu wenig Informationen

Das Sicherheitsgefühl der Bürger sei beeinträchtigt, sagte Braun und kritisierte eine mangelnde Informationspolitik der Verantwortlichen. Er habe von dem Vorfall erst aufgrund von Medienberichten erfahren. "Eine bessere Informationspolitik wäre wünschenswert", sagte auch der Bürgermeister von Hohenfels, Bernhard Graf, dem BR. Heidi Kaschner, Landesvorstandsmitglied der Linken und Vorsitzende der Bürgerinitiative "Keine Drohnen in der Oberpfalz", sagt zu dem nun bekannt gewordenen Absturz: "Es ist nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Drohne über zivilen Dörfern in der Oberpfalz abgestürzt wäre." Die Bundesregierung müsse jetzt schonungslos für Transparenz sorgen und ihre Drohnenpolitik gegenüber den USA radikal ändern.

Die "Shadow" ist 3,4 Meter lang und hat eine Spannweite von 3,9 Metern. Sie wiegt betankt 154 Kilogramm. Die ersten Exemplare wurden 2003 in Dienst gestellt.

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Drohnen-Chronik



Sommer 2013: Es werden Pläne bekannt, Drohnen vom Typ "Hunter" in zwei Luftkorridoren zwischen den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels zu überführen.

November 2013: Die Bundesregierung teilt dem Neumarkter Bundestagsabgeordneten Alois Karl (CSU) mit, dass sie für Drohnenflüge noch keine Genehmigung erteilt habe. Deutschland poche zudem darauf, dass US-Streitkräfte keine Luftbilder aufnehmen.

Dezember 2013: Viele Oberpfälzer gehen auf die Barrikaden. In Amberg gründet sich eine Bürgerinitiative gegen die Flüge. Die Gemeinde Ursensollen (Kreis Amberg-Sulzbach) hat Protest bei der Staatsregierung eingelegt.

Januar 2014: Der Landrat von Amberg-Sulzbach, Richard Reisinger, lehnt dauerhafte Flugkorridore über dem Landkreis für US-Drohnen ab. Reisinger habe dies in einem Gespräch mit Brigadegeneral Walter E. Piatt, dem Kommandeur des Gemeinsamen Multinationalen Trainingskommandos (JMTC) der 7. US-Armee, bekräftigt.

Februar 2014: Bei Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) überfliegt eine Drohne die Grenze des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. Sie schwebt in geringer Höhe über einem Wohngebiet in Sorghof. Anwohner hören und sehen das Fluggerät. Radardaten bestätigen den Irrflug.

August 2014: Die US-Armee gibt bekannt, außerhalb der Truppenübungsplätze Hohenfels und Grafenwöhr auf Drohnenflüge zu verzichten. Das US-Heer will mit dem Verzicht auf die Überführungsflüge die Sorgen der Oberpfälzer ernst nehmen. "Wir achten die Bedenken der deutschen Bevölkerung wegen des Persönlichkeitsschutzes", sagt Oberstleutnant Brian F. Carlin, Sprecher des Gemeinsamen Multinationalen Trainingskommandos (JMTC) des US-Heeres in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN).
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