US-Schützenpanzer auf Achse
Vom Baltikum nach Bayern

Tagen rollt ein US-Militärkonvoi durch Osteuropa. Bild: dpa

Für 500 US-Soldaten in Schützenpanzern und Geländewagen endet am Mittwoch ein zweiwöchiger «Straßenmarsch» vom Baltikum und Polen zurück in die Oberpfalz. Hintergrund der kleinen Machtdemonstration über 1800 Kilometer ist der Ukrainekonflikt.

Prag/Vilseck. (dpa) Seit Tagen rollt ein US-Militärkonvoi durch Osteuropa. Als die ersten von 118 Schützenpanzern und Begleitfahrzeugen mit einem lauten Hupen in Prag um die Straßenkurve biegen, kommt so etwas wie Volksfeststimmung auf. Leute schwenken vor der Einfahrt zur Kaserne US-Fahnen und pfeifen Willkommensgrüße. Manche von ihnen haben stundenlang auf die amerikanischen Soldaten gewartet.

"Keine fremde Armee"

«Das ist keine fremde Armee, das ist auch unsere Armee, seit wir in der Nato sind», sagt einer der Wartenden. Schon auf dem Weg durch Polen und Nordböhmen gab es für die jungen US-Soldaten Bier, traditionelle Süßigkeiten - und viele Begrüßungsküsse. Er fühle sich wie ein Filmstar, sagte einer von ihnen. Prag ist die letzte Zwischenstation der knapp 500 US-Soldaten auf einer Fahrt, die von Gefechtsübungen in Polen und dem Baltikum zurück in die Oberpfalz führt. An diesem Mittwoch sollen sie nach 1800 Kilometern ihren Heimatstandort in Vilseck erreichen. Manche sehen in der Fahrt eine Machtdemonstration gegenüber Russland. Die US-Armee selbst nennt ihren «road march» (Straßenmarsch) ein Zeichen der Verbundenheit mit den östlichen Nato-Mitgliedern.

Handgemenge vor der Kaserne

Vor der Prager Kaserneneinfahrt stehen auch einige Gegner der US-Präsenz. Sie halten Spruchbänder wie «Ami Go Home» und einen zum Hakenkreuz veränderten Nato-Stern hoch. Warum es nie ein Referendum über den Nato-Beitritt gegeben habe, will einer von ihnen wissen: «Wer hat uns gefragt?» Er solle doch nach Russland gehen, wenn es ihm hier nicht gefalle, antwortet ein älterer Herr. Später gibt es kleinere Handgemenge vor dem Kasernenzufahrt. Im Vorfeld war sogar eine Blockade der Strecke befürchtet worden. Erinnerungen wurden wach an den massiven Widerstand in Tschechien gegen die einstigen Pläne für ein US-Raketenschild. Orthodoxe Kommunisten und linksgerichtete Gruppen machten gegen den Konvoi auf sozialen Medien mobil. Völlig problemlos hingegen der Empfang in Polen zuvor: In Bialystok bekamen Kinder sogar schulfrei, um mit den US-Soldaten für ein «Selfie» posieren zu können. Aufgeregte Teenager kletterten auf die Panzer.

Sorge um die Sicherheit

Neben der traditionellen Liebe vieler Polen zu allem Amerikanischen spielt in einer Stadt wie Bialystok, nicht weit von der Ostgrenze Polens, auch der Ukraine-Konflikt eine Rolle: Viele Polen sorgen sich um die Sicherheit des Landes - und setzen auf starke Bündnispartner. Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak hofft, dass die Erfahrung der berühmten polnischen Gastfreundschaft dazu beiträgt, dass die USA dauerhaft Truppen in Polen stationieren. Der übliche Weg wäre gewesen, die 118 Schützenpanzer des 2. US-Kavallerieregiments nach Gefechtsübungen im Baltikum und in Polen unauffällig mit dem Zug nach Deutschland zurückzuholen. Doch diesmal nehmen die Soldaten im Zuge des Nato-Projekts «Atlantische Entschlossenheit» den beschwerlichen Weg auf der Straße. Dabei würden konkrete Führungsfähigkeiten, Navigations- und Logistikkenntnisse trainiert, sagte Craig Childs, ein Sprecher der US-Armee in Europa am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Alte Ängste in Tschechien, Polen und dem Baltikum

«Das gegenseitige kulturelle Verständnis zwischen unseren Soldaten und den Verbündeten wird gefördert», fügt Childs hinzu. Die Fahrt sei ein besonderes Event gewesen, eine Wiederholung zunächst nicht geplant. «Es besteht aber die Möglichkeit, dass wir zu jeder Zeit unsere Bewegungsfreiheit in Europa demonstrieren», betont der US-Armeesprecher. Das Vorgehen Russlands gegen die Ukraine hat in Tschechien, Polen und dem Baltikum alte Ängste geweckt. Vor dem Kasernentor in Prag freut sich der 51-jährige Tomas Bures über die US-Präsenz: «Angesichts dessen, was Russland tut, ist das furchtbar wichtig». In der Oberpfalz dürfte die Rückkehr der «Stryker»-Panzer kaum mehr als ein Achselzucken hervorrufen. Dort ist das Alltag.