US-Vorwahlen in Iowa
Stunde der Außenseiter

Mann der großen Gesten: Der Republikaner Donald Trump hat in Iowa eine deftige Schlappe erlitten. Bild: dpa

Donald Trump ist ein Ex-Siegertyp. Der hochgejubelte Glitzerkandidat konnt in Iowa nicht siegen. Und der Bauernstaat ließ auch Hillary Clinton mit Wunden zurück.

Des Moines. Paukenschlag im Bauernstaat: Die Menschen in Iowa haben bei der ersten Vorwahl im Rennen um das Weiße Haus dem politischen Establishment eine Abfuhr erteilt. Hillary Clinton zählt trotz ihres hauchdünnen Sieges zu den Verlierern. Genauso wie der vor allem in sozialen Netzwerken hochgejubelte Donald Trump. Er konnte in Iowa nicht von der hohen Wahlbeteiligung bei den Republikanern profitieren, Clinton nicht von der eher niedrigen bei den Demokraten.

Die Vorwahl hat bei den Republikanern der erzkonservative Texaner Ted Cruz gewonnen. Als die Kandidaten am Dienstag ihre Wahlkampfwunden im tief verschneiten Iowa kühlten, wurde aber auch deutlich: Heimlicher Sieger ist der überraschend starke Marco Rubio. Der Senator aus Florida rückte bis auf einen Prozentpunkt an Trump heran - und trat schon wie der Heilsbringer seiner Partei auf. "Wenn ich Kandidat werde, werden wir die Partei und die ganze konservative Bewegung einen", sagte er staatstragend. Bei den Demokraten, wo das Wahlsystem mit Handzeichen-Abstimmungen und Münzwürfen eher überholt wirkt, lieferte Linksaußen Bernie Sanders der haushohen Favoritin Clinton praktisch ein totes Rennen. Clinton, die sich von Sanders sogar zu einer Kurskorrektur gezwungen sah und ihren zunächst sanften Wahlkampf am Schluss viel reißerischer gestalten musste, reklamierte den Sieg für sich.

Hillary Clinton geschwächt


So sehr die frühere First Lady an der Seite ihres Gatten und Ex-Präsidenten Bill und der schwangeren Tochter Chelsea auch strahlte: Der Aufschwung von Sanders, der in Iowa mit seinem Woodstock-Wahlkampf Arenen füllte und Massen begeisterte, lässt sie geschwächt erscheinen. "Ich freue mich jetzt auf die Debatte mit Senator Sanders", sagte Clinton mit süßsaurem Lächeln. Sie wird den 74-Jährigen Underdog sicher nicht mehr unterschätzen, dessen "Zähne ihr bis auf Zentimeter nahekamen", wie "Politico" schrieb.

Das Gespenst von 2008 konnte die Ex-Außenministerin dennoch nicht ganz vertreiben. Damals war in Iowa der Stern von Barack Obama aufgegangen. Für die favorisierte Clinton war es der Anfang vom Ende ihrer Bewerbung. Die Chancen, dass die 68-Jährige es diesmal zur Kandidatur schafft, sind ungleich besser.

Dass sie allerdings in ihrer Zeit als Außenministerin als geheim eingestuften Mailverkehr über ihren privaten, ungesicherten Computer laufen ließ, ist nicht hilfreich und kann unter Umständen strafbar sein. Die Demokraten wollen keine Kandidatin, die unter Anklage steht. Der politische Gegner, die Republikaner, würde triumphieren. Deren Parteiführung frohlockt nach Iowa ohnehin. Hat es doch der verhasste Trittbrettfahrer Donald Trump nicht geschafft. Vielleicht, ätzen Kritiker, hat Trump die falsche Frage gestellt. "Wie dumm sind die Leute von Iowa eigentlich?", wollte der zu einer Zeit wissen, als er in den Umfragen hinter Ted Cruz lag.

Trumps Image angekratzt


Der Siegertyp Trump, der nach Iowa im Privatjet einflog und sich gern mit schönen Frauen fotografieren ließ, ist plötzlich ein Wahlverlierer. Die erste politische Abstimmung, der er sich in seinen 69 Lebensjahren stellte, hat er nicht gewonnen. Das wird einen wie Trump nicht zum Aufgeben bewegen. Doch das Image des Baulöwen ist angekratzt, er kämpft nicht mehr von der Spitze weg.

Dort steht jetzt Ted Cruz. Der Anwalt und Senator aus Texas gilt als Rechtsaußen, selbst bei den Republikanern. Er tritt für einen harten Kurs gegen illegal im Land lebende Ausländer ein und ist tief im konservativen christlichen Lager verwurzelt. Über Themen wie Abtreibung oder Homo-Ehe will er nicht einmal diskutieren. Und auf den Speiseplan der Schulen sollen Pommes frites zurückkehren - schließlich sei das Teil der amerikanischen Kultur. "Gott schütze diesen wunderbaren Bundesstaat Iowa", sagte er nach seinem Sieg. Kurz vor der Wahl erhielt Cruz Unterstützung von einer Anti-Abtreibungs-Initiative. Dass Donald Trump am "heiligen" Sonntag noch schnell eine Bibel in die Kameras hielt, half da auch nicht mehr.

Washington. Wegen organisatorischer Probleme ist bei den Vorwahlen im US-Staat Iowa in mehreren Wahlkreisen letztendlich per Münzwurf entschieden worden. Bei einer Versammlung in einem Wahlkreis in Des Moines schien bei den Demokraten beispielsweise zunächst alles klar: Ex-Außenministerin Hillary Clinton bekam bei der Abstimmung per Handzeichen die Mehrheit und damit die meisten Delegierten. Da jedoch beim Nachzählen Dutzende Wähler vorzeitig nach Hause gegangen waren, kam man plötzlich zu einem anderen Ergebnis: ein Delegiertenplatz blieb offen. Schließlich wurde per Münzwurf zwischen Clinton und ihrem schärfsten Konkurrenten Bernie Sanders entschieden - Clinton bekam den zusätzlichen Delegierten. In mindestens fünf Bezirken kam es zu einem solchen wahlentscheidenden Münzwurf.

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