USA stoppen Abzug

US-Soldaten holen ihre Flagge ein: Bereits 2014 übergab die Army ihre Militärbasis in Baghlan an die afghanische Armee. Jetzt stockt der Abzug. Bild: dpa

Eigentlich wollte er die meisten Soldaten aus Afghanistan heimholen, solange er im Amt ist: Von diesen Plänen rückt Obama jetzt ab. Die Lage ist zu prekär.

Die USA stoppen den Truppenabzug aus Afghanistan. Das Weiße Haus bestätigte der dpa am Donnerstag Berichte der "New York Times" und anderer US-Medien. Bis Anfang 2017, über das Ende der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama hinaus, sollen etwa 5500 Soldaten im Land bleiben. Derzeit sind es 9800; diese bleiben nun bis Ende 2016 stationiert.

Der Entscheidung seien monatelange Bewertungen und Beratungen mit den afghanischen Partnern vorausgegangen, hieß es aus dem Weißen Haus. Die 5500 Soldaten sollten auf kleineren Stützpunkten bleiben, darunter sind Bagram, Jalalabad und Kandahar.

Die Ankündigung berühre in keiner Weise das Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan, hieß es. Es handle sich um "eng definierte Missionen": den Anti-Terror-Kampf zum einen, Ausbildung und Training afghanischer Sicherheitskräfte zum andern. Obama verabschiedet sich damit auch von seinem Ziel, die meisten Soldaten nach Hause zu holen, solange er im Amt ist. Der Sender NBC berichtete, die neuen Pläne kosteten etwa 14,6 Milliarden US-Dollar.

Die Pläne stehen im Zusammenhang mit den jüngsten Kämpfen um die nordafghanische Stadt Kundus. Sie war in die Hände der Taliban gefallen und mit Unterstützung durch US-Truppen vom afghanischen Militär zurückerobert worden. Militärs hatten Obama dringend geraten, den Truppenabzug zu überdenken.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Entscheidung des US-Präsidenten begrüßt. "Wir wollen mit unseren Partnern ein Zeichen setzen, dass wir beharrlich an einer Stabilisierung Afghanistans arbeiten", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Jetzt können wir mit unseren Partnern der Mission 'Resolute Support' die nächsten Schritte beraten."

"Resolute Support" ist ein Nato-Einsatz zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte, an dem noch 13 200 Soldaten beteiligt sind. Darunter sind 860 Deutsche. Ursprünglich sollte die Truppe im Laufe des nächsten Jahres drastisch verkleinert werden.
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