Verfassungsschutz im Zwielicht
V-Mann soll NSU-Leute beschäftigt haben

Die Angeklagte Beate Zschäpe neben ihren Anwalt Mathias Grasel (rechts). Neue Zeugenaussagen bestätigen den Verdacht, dass Zschäpe zumindest als Aushilfe in einem Laden des V-Mannes "Primus" gearbeitet hat. Bild: dpa

Schon früher gab es den Verdacht, dass Verbindungen existierten zwischen der Terrorzelle NSU und Informanten des Verfassungsschutzes. Nun gibt es neue Hinweise, die heikle Fragen aufwerfen.

München/Berlin. Neue Hinweise im Fall der Terrorgruppe NSU sorgen für Aufregung: Zwei der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen sollen während ihrer Zeit im Untergrund in Firmen gearbeitet haben, die von einem zeitweiligen V-Mann des Verfassungsschutzes betrieben wurden.

Uwe Mundlos und Beate Zschäpe sollen zeitversetzt in Zwickau bei dem Neonazi Ralf Marschner beschäftigt gewesen sein. Marschner war unter dem Tarnnamen "Primus" jahrelang als Informant für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) tätig. Zunächst hatte ein Autorenteam um Stefan Aust in der am Mittwochabend ausgestrahlten ARD-Dokumentation "Der NSU-Komplex" berichtet, Mundlos sei unter einer Tarnidentität in den Jahren 2000 bis 2002 als Vorarbeiter eines Bauunternehmens im sächsischen Zwickau eingesetzt gewesen. Inhaber der Firma war Marschner. BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen sagte dazu allerdings, dafür gebe es keine Anhaltspunkte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat Zschäpe einige Jahre später in einer anderen Firma des früheren V-Manns Marschner gearbeitet. Ein ehemaliger Partner Marschners bestätigte am Donnerstag, er habe dessen Geschäft finanziert. Es habe sich um einen Szene-Laden mit dem Namen "Heaven and Hell" gehandelt.

Die Obleute von Grünen und Linken im NSU-Untersuchungsausschuss äußerten sich alarmiert. "Im Raum steht die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung durch einen V-Mann des Staates", sagte die Grünen-Obfrau Irene Mihalic. "Der Staat wäre dann im Zusammenhang mit dem Untertauchen des NSU nicht nur Mitwisser, sondern auch Mittäter."
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