Verhaftungswelle in China: Etwa 100 Anwälte und Aktivisten im Visier
Bürgerrechtler hoffen auf Gabriel

Vizekanzler Sigmar Gabriel vor seinem Abflug nach China. Bild: dpa
Bei der größten Verfolgungswelle in China seit Jahren sind insgesamt rund 100 Menschen festgenommen, von der Polizei einbestellt worden oder verschwunden. Die landesweite Aktion zielte auf Bürgerrechtsanwälte, Mitarbeiter von Kanzleien und Aktivisten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und Familien appellierten an Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), sich bei seinem heute beginnenden Besuch in Peking für die Festgenommenen und andere inhaftierte Bürgerrechtler einzusetzen.

Wie Amnesty International berichtete, waren am Montagnachmittag noch 25 Menschen in Polizeigewalt oder nicht auffindbar. Die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, sechs Personen seien formell festgenommen worden, darunter vier Anwälte. Chinas Polizeiministerium begründete das Vorgehen damit, dass Anwälte eine "größere kriminelle Vereinigung" gegründet und die öffentliche Ordnung "ernsthaft gestört" hätten.

Die Familie der inhaftierten Journalistin Gao Yu, die auch für die Deutsche Welle gearbeitet hat, rief Gabriel auf, sich für die gesundheitlich angeschlagene 71-Jährige einzusetzen. "Es wäre sicherlich hilfreich und würde internationale Aufmerksamkeit auf den Fall lenken", sagte ein Familienmitglied. Ihre Angehörigen befürchten, dass die herzkranke Frau unzureichend versorgt wird.
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