Verheerende Zustände auf der Balkanroute
Endstation im Schlamm

Ein Migrant trägt seinen Sohn durch ein Lager bei Idomeni in Griechenland. Tausende sind dort auf dem Weg nach Mitteleuropa gestrandet. Auch eine Ausweichroute soll nun geschlossen werden. Bild: dpa

Die Zustände an der Balkanroute sind menschenunwürdig. Noch mehr schlechte Nachrichten für Flüchtlinge kommen jetzt aus Brüssel: Italien arbeitet daran, ihnen auch die Alternativroute über Albanien zu verbauen.

Skopje/Berlin/Brüssel. Nach der Schließung der Balkanroute für Flüchtlinge warnen Hilfsorganisationen vor einer humanitären Katastrophe. "Wir machen uns Sorgen um Fragen des Kinderschutzes und um die dringend nötige humanitäre Versorgung", sagte der Geschäftsführer des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Deutschland, Christian Schneider, am Donnerstag mit Blick auf das Lager in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Dort harren rund 13 000 Flüchtlinge aus, das Lager versinkt nach schweren Regenfällen im Schlamm, Hunderte Menschen leiden unter schweren Erkältungen, Atemwegsbeschwerden und Durchfall.

Aber auch an der mazedonisch-serbischen Grenze warten rund 1500 Flüchtlinge bei starkem Regen und Kälte auf die Weiterreise. "Lange können die Menschen das hier in unbefestigten Unterkünften nicht aushalten", berichtete eine Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer. Die Polizei rechne damit, dass die Flüchtlinge aus Verzweiflung die Grenzen stürmen könnten.

Nach der Schließung der Balkanroute wollen EU-Staaten Flüchtlinge daran hindern, auf andere Routen auszuweichen. Der italienische Innenminister Angelino Alfano kündigte am Donnerstag an, mit Albanien entsprechende Gespräche führen zu wollen. Es gehe darum, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um illegale Migration zu verhindern, erklärte er am Rande eines EU-Innenministertreffens in Brüssel.

Albanien grenzt an den Nordwesten von Griechenland und gilt deswegen als alternatives Transitland. Von dort aus könnten Flüchtlinge versuchen, mit Schiffen über die Adria nach Italien zu gelangen. Zusätzlich bietet Albanien die Möglichkeit, auf dem Landweg in Richtung Norden weiterzureisen.
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