Vermächtnisrede des scheidenden US-Präsidenten
Obamas Appell

Die Säulen der Demokratie: Das Bild, das von der US-Botschaft in Athen zur Verfügung gestellt wurde, zeigt den scheidenden US-Präsidenten Barack Obama und die griechische Kulturministerin Eleni Banou) auf der Akropolis. Bild: Handout US-Botschaft in Athen

Erst wandert er über das Areal der Akropolis, dann wendet er sich ans Volk. Barack Obama machte in seiner letzten großen Rede außerhalb der USA deutlich, dass er Abstriche bei der Demokratie nicht zulassen will. Wen er damit meint, steht außer Zweifel.

Athen. Vom Macher zum Mahner: Barack Obama hat sich von der internationalen Bühne als nachdenklicher Wahrer von Demokratie und Menschenrechten verabschiedet. Die Wiege der Volksherrschaft in Athen hatte der US-Präsident sich ausgesucht, um diese Werte zu betonen. Immer wieder brandete Beifall auf. Für Begeisterung sorgten vor allem seine an die Griechen gerichteten Worte. "Denn es war hier vor 25 Jahrhunderten auf den steinigen Hügeln dieser Stadt, dass eine neue Idee entstanden ist: Demokratie."

Und doch: Sein Nachfolger Donald Trump schwang irgendwie immer mit, als Obama vor den Flaggen Griechenlands, der USA und der EU die großen Linien vorzeichnete. Wenn er sich ab Donnerstag mit Kanzlerin Angela Merkel und den Regierungschefs aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien trifft, wird das nicht anders sein. Obama, der als einziger schon mit Trump unter vier Augen gesprochen hat, wird die Führungsfiguren Europas beruhigen müssen. Der künftige Präsident sei kein Ideologe, eher ein Pragmatiker hatte Obama bereits vor der letzten Auslandsreise seiner Amtszeit kundgetan. Er wolle ihm helfen, ein guter Präsident zu werden.

Bürger am wichtigsten


Obama scheint die Sorge umzutreiben, wie es unter Trump weitergeht. Kein großes Wunder angesichts erster Anzeichen für Vetternwirtschaft und Postengeschacher. Ansonsten blieb Obama vergleichsweise abstrakt. "Die wichtigste Rolle in einem Land ist nicht die des Präsidenten oder des Ministerpräsidenten. Die wichtigste Rolle im Land ist die des Bürgers", rief Obama den Griechen zu. "Wir müssen deutlich machen, dass Regierungen existieren, um den Bürgern zu dienen und nicht andersherum", sagte er. "So viele Leute auf der ganzen Welt werden manchmal in Versuchung geführt, von Zynismus und davon, sich nicht einzubringen, weil sie glauben, dass Politiker und Regierung sich nicht um sie scheren." Dem müsse man entschieden entgegentreten, sagte Obama.

Wie seine Kollegen muss sich auch Obama fragen lassen, wie weit seine Politik schuld ist an der Entwicklung. Obama macht einen "kruden Nationalismus" verantwortlich, fußend auf einer latenten Unsicherheit, einer gewissen Orientierungslosigkeit in einer sich ständig ändernden Welt. Zwar habe die wirtschaftliche Vernetzung zu mehr Wohlstand, mehr Bildung und weniger Gewalt geführt, "aber es gibt auch enorme Brüche".

"Ungleichheit wurde früher eher toleriert, jetzt nicht mehr, weil jeder, auch in den entlegensten Regionen Afrikas, ein Smartphone hat und sehen kann, wie die Leute in London oder New York leben", sagte der Präsident. Eine glühende Aufforderung an alle Amtsinhaber und solche, die es werden wollen. "Ungleichheit ist die größte Gefahr für unsere Demokratien", betonte Barack Obama.
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