Viele Eltern beobachten den frühen Internetkonsum ihrer Kinder mit Faszination und Sorge - Eine ...
Schon Dreikäsehochs haben Netzanschluss

Smartphones mit bunten Apps für spielwütige Knirpse sind in Kinderzimmern nichts seltenes mehr. Wie sehr das Internet und Computertechnik zwischen Legosteinen und Puppen Einzug gehalten haben, zeigt eine neue Studie. Archivbild: dpa
"Es erstaunt mich sehr, wie die mit diesen Dingern umgehen können", sagt eine junge Mutter über die digitale Frühreife ihrer drei und fünf Jahre alten Kinder. Die Mutter eines Sechsjährigen wundert sich: "Wischen ist heutzutage wohl angeboren" - also das Navigieren auf einem Touchscreen.

Diese und viele andere anonym festgehaltenen Eindrücke amüsierter, irritierter, auch besorgter Eltern finden sich in der 150-seitigen U9-Studie "Kinder in der digitalen Welt", die Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Darin weisen das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und das Sozialforschungsinstitut Sinus nach, wie stark das Internet längst in die Kinder- und Spielzimmer von Drei- bis Achtjährigen in Deutschland vorgedrungen ist.

Nach der Befragung von gut 1000 kleinen Kindern und mehr als 1800 Eltern ist klar, dass Computer, Laptop, Tablet und Smartphone hierzulande bereits vom sprichwörtlichen Dreikäsehoch genutzt werden. Bei Achtjährigen sind Spielen und Lernen am Rechner dann schon mehrheitlich eine Selbstverständlichkeit.

65 Prozent der Eltern sind überzeugt, dass ihre Sprösslinge digitale Kompetenz erwerben müssen - "um nicht von der Gesellschaft abgehängt zu werden", wie Schwesig, selbst Mutter eines Achtjährigen, sagt. Dabei schwanken die Eltern dieser "Digital Natives" zwischen Faszination, Gelassenheit, Vorsicht und Abwehrreflexen. Für zwei Drittel der Mütter und Väter sei ein Internet-Verbot "Mittel der Wahl", ohne dass dies natürlich komplett kontrollierbar sei, sagt Sinus-Direktorin Silke Borgstedt. Entscheidend dafür, ob Kinder im Netz unterwegs sein dürfen, sei die Nähe der Eltern zur "digitalen Lebenswelt", also ihre persönliche Einstellung zum Internet. Wichtig für die Kinder sei der Schutz vor Gefahren wie Cybermobbing oder sexueller Belästigung, "ohne ständig beaufsichtigt zu werden bei jedem Klick", sagt die Wissenschaftliche DIVSI-Leiterin Joanna Schmölz. Schwesig empfiehlt dazu beispielsweise spezielle Kinder-Suchmaschinen - und feste Regeln für den Internet-Konsum innerhalb der Familie.

Einkommen entscheidet

"Digitale Teilhabe wird zur sozialen Teilhabe", fasst Schmölz eines der Ergebnisse ihrer Studie zusammen. Allerdings entscheide kaum der Geldbeutel der Eltern darüber, ob Kinder Zugang zu digitalen Medien und Internet haben. Bei geringem Verdienst würden nicht weniger Geräte angeschafft - soziale Unterschiede zeigten sich anders: "Was früher lediglich die Markenjeans und die Sneakers mit der richtigen Anzahl an Streifen waren, wird heute ergänzt um die aktuellste Smartphone-Version mit der richtigen Ziffer am Ende der Produktbezeichnung." Hinzu kommt, dass schon kleine Kinder von Eltern mit geringerer Bildung am Computer eher auf Unterhaltung aus sind, während der Nachwuchs von Eltern mit höherer Bildung das Internet öfter für Informationssuche und zum Lernen nutzt. Je bescheidener der elterliche Bildungshintergrund ist, desto weniger engagieren sich Väter und Mütter, um ihre Kinder aktiv in die digitale Welt zu begleiten.

Auch deswegen sieht die stellvertretende Unions-Fraktionschefin Nadine Schön noch einigen Nachholbedarf. "Es ist das Recht, aber auch die Pflicht der Eltern, ihre Kinder im digitalen Zeitalter an die Hand zu nehmen. Was noch etwas fehlt, sind gute Schulungsmaßnahmen für diese Eltern", sagt die CDU-Expertin für Familienpolitik und Digitale Agenda. "Denn viele kapitulieren sehr schnell, wenn sie merken, dass ihre Kinder viel fitter sind am PC und im Internet."

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Weiterführende Links zum Thema:

http://www.oberpfalznetz.de/divsi
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