Von der Leyens zehn Probleme

Ursula von der Leyen (CDU) lässt sich in Kahramanmaras in der Türkei von Oberst Stefan Drexler, dem Kontingentführer des Einsatzkontingents Active Fence Turkey, die Patriot-Anlagen zeigen. Die Auswahl eines Raketensystems ist aber nur eines der Probleme, denen sich die Verteidigungsministerin stellen muss. Bild: dpa

Bis zu 13 Jahre zu spät und bis zu 103 Prozent teurer als geplant: Unter den wichtigsten Rüstungsprojekten der Bundeswehr ist kaum eines, das Zeit- und Kostenvorgaben einhält. Ein Bericht listet die Probleme nun detailliert auf.

Es ist Ursula von der Leyens schwierigste Mission: Die Verteidigungsministerin will den Rüstungssektor aufzuräumen. Jetzt liegt ein umfassender Problembericht vor. Insgesamt wurden 500 Risiken identifiziert. Im Schnitt haben sich die Großprojekte vier Jahre verspätet und sind zusammen 12,9 Milliarden Euro oder 29 Prozent teurer als geplant. Die zehn heißesten Eisen:

Transportflugzeug A400M : 8 Jahre und 11 Monate zu spät, 17 Prozent teurer. Das prominenteste Pannen-Projekt der Bundeswehr: Seit Dezember hat die Luftwaffe zwar ihr erstes Exemplar, die Liste der Probleme ist aber lang. Bis das Flugzeug in gefährliche Einsätze geschickt werden kann, wird es wohl Jahre dauern. Der museumsreife Vorgänger "Transall" muss länger fliegen als geplant.

Transporthubschrauber NH90 : 13 Jahre und 2 Monate zu spät, 27 Prozent teurer. Der Rekordhalter, was die Verspätung angeht. Erste Pläne gab es zu Zeiten des Kalten Krieges in den 80ern. Heute hat die Bundeswehr zwar einige NH90, aber noch keine voll funktionsfähigen. Im Februar musste der Flugbetrieb wegen eines Triebwerkschadens vorübergehend ausgesetzt werden. Der erste vollwertige NH90 wird 2017 erwartet.

Kampfflugzeug Eurofighter : 11 Jahre und 4 Monate zu spät, 39 Prozent teurer. Die Nummer zwei bei den Verzögerungen. Bei den Kostensteigerungen in absoluten Zahlen mit 6,8 Milliarden Euro sogar die eins. Von den 143 bestellen Eurofightern hat die Bundeswehr 110.

Transportpanzer Boxer : 9 Monate früher, 36 Prozent teurer. Das einzige Rüstungsprojekt mit 200 ausgelieferten Transportpanzern, das seiner Zeit voraus ist. Manko: Auch hier wurde der Kostenrahmen gesprengt. Trotzdem sollen 131 zusätzliche Radpanzer angeschafft werden.

Schützenpanzer Puma : 4 Jahre und 5 Monate zu spät, 103 Prozent teurer. Bei keinem Rüstungsprojekt war die ursprüngliche Kostenrechnung so daneben wie beim Puma. Mit 2,3 Milliarden Euro ist der Schützenpanzer mehr als doppelt so teuer. Der "Puma" löst den mehr als 40 Jahre alten "Marder" ab, der unter anderem in Afghanistan im Einsatz war.

Kampfhubschrauber Tiger: 9 Jahre und 2 Monate zu spät, 28 Prozent teurer. Wegen der massiven Verspätung hat die Afghanistan-Truppe den Tiger erst bekommen, als der Abzug schon geplant war. Gebraucht hätte sie ihn zur Zeit der heftigsten Gefechte 2010/11. Seine 1800 Flugstunden absolvierte er erst 2013/14.

Fregatte 125 : 2 Jahre und 6 Monate zu spät, 17 Prozent zu teuer. Die Fregatte soll die Marine in lang andauernden Einsätzen weltweit verstärken - mit einer deutlich geringeren Besatzung. Die Auslieferung des ersten Exemplars wurde allerdings mehrfach verschoben.

Korvette 130 : 4 Jahre und 6 Monate zu spät, 15 Prozent teurer. Die fünf Korvetten spielen eine wichtige Rolle bei den Auslandseinsätzen der Marine. Die 90 Meter langen Schiffe haben zwar bereits bei der Unterbindung von Waffenschmuggel Einsatzerfahrung gesammelt. Es traten aber immer wieder Mängel auf.

Raketenabwehrsystem : keine Angaben. Die wichtigste, teuerste und heikelste Entscheidung will von der Leyen Mitte 2015 treffen. Zur Auswahl stehen Meads - unter Beteiligung der deutschen Raketenschmiede MBDA - und eine neue Patriot des US-Herstellers Raytheon.

Aufklärungsdrohne Euro Hawk : 0 Monate zu spät, 62 Prozent teurer. Das unbemannte Flugzeug hätte Thomas de Maizière fast das Amt gekostet. Wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den deutschen Luftraum und einer drohenden Kostenexplosion wurde die Entwicklung 2013 gestoppt. Seitdem wird nach einem Flugzeug gesucht, in das die Aufklärungstechnik eingebaut werden kann. Derzeitiger Favorit: eine Schwester-Drohne des Euro Hawk namens Triton.
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